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Freitag, 11. Mai 2018

ALLES ÜBER ÜBERSTUNDEN

Darf mein Chef Überstunden anordnen?
Das darf er nur in Einzelfällen und nur wenn im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer sogenannten Betriebsvereinbarung Überstunden geregelt sind. Dann steht dort etwa: „Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, bei betrieblicher Notwendigkeit auf Anordnung auch Überstunden zu leisten.“ In diesem Fall kann man Extraarbeit nicht verweigern.

Tipp: Fragen Sie beim Betriebsrat nach der entsprechenden Regelung.

Wann darf der Chef Überstunden verlangen?

Nur in begründeten Fällen! Zum Beispiel bei einem neuen Großauftrag oder einem vorübergehenden Personalengpass. Es gibt aber auch generelle Ausnahmen für einzelne Berufe, zum Beispiel Kraftfahrer oder Krankenschwestern.

Gibt es eine Höchstgrenze?

Ja! Der Chef darf die Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden am Tag verlängern. Außerdem muss er innerhalb von sechs Monaten einen Freizeitausgleich gewähren.

Grund: So kommen Sie auf einen Durchschnitt von acht Arbeitsstunden pro Werktag, Ruhezeiten zählen nicht als Arbeitszeit.

Muss ich auch samstags zur Arbeit kommen?

Kommt darauf an, was im Arbeitsvertrag oder einer einschlägigen Betriebsvereinbarung zur Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit geregelt wurde! Der Samstag ist ein Werktag.
Das heißt: Der Betrieb kann verlangen, dass Sie zur Arbeit kommen.

Wie ist Sonntagsarbeit geregelt?
Der Sonntag ist frei! Nur für bestimmte Branchen (z. B. Feuerwehr, Rettungsdienst) gibt es Ausnahmen und entsprechende Zuschläge. Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen in jedem Fall frei bleiben.

Kann ich mich gegen Überstunden wehren?

Ja! Nach zehn Arbeitsstunden am Tag ist Schluss – länger müssen Sie gegen Ihren Willen nicht arbeiten. Auch wenn kein Freizeitausgleich innerhalb von sechs Monaten möglich ist, dürfen Sie Mehrarbeit ablehnen.

Tipp: Notieren Sie sich die Überstunden mit Datum und Zeit. Vor Gericht müssen Sie die Extraarbeit beweisen können!

Darf ich am folgenden Tag später kommen?

Nicht unbedingt! Es gilt: Zwischen Dienstende oder Arbeitsbeginn am nächsten Tag müssen elf Stunden Ruhezeit liegen.

Ohne Extraschichten schaffe ich meine Arbeit nicht – sind das Überstunden?

Wer freiwillig oder ohne Absprache mit dem Vorgesetzten länger arbeitet, macht das auf eigene Verantwortung – es sei denn, der Chef weiß davon und duldet dies. Folge: Der Betrieb muss außer bei Duldung keinen Ausgleich durch Freizeit oder Geld leisten. Wenn Sie Ihr Arbeitspensum dauerhaft nicht schaffen, sollten Sie darüber mit Ihrem Chef sprechen.

Muss mein Arbeitgeber Überstunden bezahlen?

Wenn Sie auf Bitte des Chefs länger gearbeitet haben, zu Mehrarbeit aber nichts im Arbeitsvertrag geregelt wurde, ist der Arbeitgeber zur Bezahlung verpflichtet.
Ist ein fester Lohn für eine bestimmte Arbeitszeit vereinbart, können Sie pro Überstunde den Lohn für eine Arbeitsstunde verlangen. Beispiel: Wenn Sie 2500 Euro bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden verdienen, liegt der Stundenlohn bei 14,43 Euro (2500 Euro : 4,33 Wochen : 40 Stunden).

Aber: Das gilt nicht für leitende Angestellte. Liegt das Jahreseinkommen über der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze (Westen: 72 600 Euro, Osten: 62 400 Euro), hat man grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Extra-Bezahlung.

Was ist mit einer pauschalen Verrechnung?

In vielen Arbeitsverträgen gibt es Klauseln, dass Überstunden „pauschal abgegolten“ seien – doch nicht alle sind wirksam! Pauschale Überstunden-Abgeltungsklauseln in Standardarbeitsverträgen sind unwirksam. Anders ist es, wenn ein bestimmter Rahmen genannt ist, z. B.: „Mit dem Gehalt sind bis zu 15 Überstunden im Monat mit abgegolten.“

Was gilt bei Teilzeit?

Wer in Teilzeit arbeitet, kann nicht zu Mehrarbeit verpflichtet werden, wenn dies nicht ausdrücklich vertraglich vereinbart wurde. Grund: Das würde dem Wesen der Teilzeit widersprechen. Mehrarbeit ist nur in besonderen Situationen (z. B. hoher Krankenstand), die der Chef nicht vorhersehen konnte, erlaubt.

Muss ich als Schwangere länger arbeiten, wenn der Chef es verlangt?

Nein! Werdende und stillende Mütter dürfen nicht zu Überstunden (über eine tägliche Arbeitszeit von max. 8,5 Stunden hinaus) verpflichtet werden.

Gibt es für Jugendliche besondere Regeln?

Minderjährige, z. B. Auszubildende, dürfen max. 40 Wochenstunden an fünf Arbeitstagen ran, pro Tag höchstens 8,5 Stunden. Die ununterbrochene tägliche Freizeit muss zwölf Stunden betragen.

Fachliche Beratung: Dr. Oliver Fröhlich, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Kanzlei Ulrich Weber & Partner (Köln)



Quelle:ALLES ÜBER ÜBERSTUNDEN

Darf mein Chef Überstunden anordnen?
Das darf er nur in Einzelfällen und nur wenn im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer sogenannten Betriebsvereinbarung Überstunden geregelt sind. Dann steht dort etwa: „Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, bei betrieblicher Notwendigkeit auf Anordnung auch Überstunden zu leisten.“ In diesem Fall kann man Extraarbeit nicht verweigern.

Tipp: Fragen Sie beim Betriebsrat nach der entsprechenden Regelung.

Wann darf der Chef Überstunden verlangen?

Nur in begründeten Fällen! Zum Beispiel bei einem neuen Großauftrag oder einem vorübergehenden Personalengpass. Es gibt aber auch generelle Ausnahmen für einzelne Berufe, zum Beispiel Kraftfahrer oder Krankenschwestern.

Gibt es eine Höchstgrenze?

Ja! Der Chef darf die Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden am Tag verlängern. Außerdem muss er innerhalb von sechs Monaten einen Freizeitausgleich gewähren.

Grund: So kommen Sie auf einen Durchschnitt von acht Arbeitsstunden pro Werktag, Ruhezeiten zählen nicht als Arbeitszeit.

Muss ich auch samstags zur Arbeit kommen?

Kommt darauf an, was im Arbeitsvertrag oder einer einschlägigen Betriebsvereinbarung zur Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit geregelt wurde! Der Samstag ist ein Werktag.
Das heißt: Der Betrieb kann verlangen, dass Sie zur Arbeit kommen.

Wie ist Sonntagsarbeit geregelt?
Der Sonntag ist frei! Nur für bestimmte Branchen (z. B. Feuerwehr, Rettungsdienst) gibt es Ausnahmen und entsprechende Zuschläge. Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen in jedem Fall frei bleiben.

Kann ich mich gegen Überstunden wehren?

Ja! Nach zehn Arbeitsstunden am Tag ist Schluss – länger müssen Sie gegen Ihren Willen nicht arbeiten. Auch wenn kein Freizeitausgleich innerhalb von sechs Monaten möglich ist, dürfen Sie Mehrarbeit ablehnen.

Tipp: Notieren Sie sich die Überstunden mit Datum und Zeit. Vor Gericht müssen Sie die Extraarbeit beweisen können!

Darf ich am folgenden Tag später kommen?

Nicht unbedingt! Es gilt: Zwischen Dienstende oder Arbeitsbeginn am nächsten Tag müssen elf Stunden Ruhezeit liegen.

Ohne Extraschichten schaffe ich meine Arbeit nicht – sind das Überstunden?

Wer freiwillig oder ohne Absprache mit dem Vorgesetzten länger arbeitet, macht das auf eigene Verantwortung – es sei denn, der Chef weiß davon und duldet dies. Folge: Der Betrieb muss außer bei Duldung keinen Ausgleich durch Freizeit oder Geld leisten. Wenn Sie Ihr Arbeitspensum dauerhaft nicht schaffen, sollten Sie darüber mit Ihrem Chef sprechen.

Muss mein Arbeitgeber Überstunden bezahlen?

Wenn Sie auf Bitte des Chefs länger gearbeitet haben, zu Mehrarbeit aber nichts im Arbeitsvertrag geregelt wurde, ist der Arbeitgeber zur Bezahlung verpflichtet.
Ist ein fester Lohn für eine bestimmte Arbeitszeit vereinbart, können Sie pro Überstunde den Lohn für eine Arbeitsstunde verlangen. Beispiel: Wenn Sie 2500 Euro bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden verdienen, liegt der Stundenlohn bei 14,43 Euro (2500 Euro : 4,33 Wochen : 40 Stunden).

Aber: Das gilt nicht für leitende Angestellte. Liegt das Jahreseinkommen über der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze (Westen: 72 600 Euro, Osten: 62 400 Euro), hat man grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Extra-Bezahlung.

Was ist mit einer pauschalen Verrechnung?

In vielen Arbeitsverträgen gibt es Klauseln, dass Überstunden „pauschal abgegolten“ seien – doch nicht alle sind wirksam! Pauschale Überstunden-Abgeltungsklauseln in Standardarbeitsverträgen sind unwirksam. Anders ist es, wenn ein bestimmter Rahmen genannt ist, z. B.: „Mit dem Gehalt sind bis zu 15 Überstunden im Monat mit abgegolten.“

Was gilt bei Teilzeit?

Wer in Teilzeit arbeitet, kann nicht zu Mehrarbeit verpflichtet werden, wenn dies nicht ausdrücklich vertraglich vereinbart wurde. Grund: Das würde dem Wesen der Teilzeit widersprechen. Mehrarbeit ist nur in besonderen Situationen (z. B. hoher Krankenstand), die der Chef nicht vorhersehen konnte, erlaubt.

Muss ich als Schwangere länger arbeiten, wenn der Chef es verlangt?

Nein! Werdende und stillende Mütter dürfen nicht zu Überstunden (über eine tägliche Arbeitszeit von max. 8,5 Stunden hinaus) verpflichtet werden.

Gibt es für Jugendliche besondere Regeln?

Minderjährige, z. B. Auszubildende, dürfen max. 40 Wochenstunden an fünf Arbeitstagen ran, pro Tag höchstens 8,5 Stunden. Die ununterbrochene tägliche Freizeit muss zwölf Stunden betragen.

Fachliche Beratung: Dr. Oliver Fröhlich, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Kanzlei Ulrich Weber & Partner (Köln)

Quelle: http://www.bild.de/bild-plus/ratgeber/job-karriere/arbeitsrecht/alles-ueber-ueberstunden-43565076.bild.html vom 27.11.2015

Donnerstag, 10. Mai 2018

Aus der Gehirnforschung: Wie wir ungeliebte Gewohnheiten loswerden können

Zu lange Computer spielen, Rauchen, zu viel Schokolade oder Chips. Alles Gewohnheiten, die viele Menschen haben und gerne ablegen würden. Vielleicht haben Sie auch die eine oder andere Gewohnheit, die Sie liebend gerne loswerden wollen. Manchmal sind es ja auch nur kleine Ticks und Marotten, ohne die das Leben einfacher wäre. Wie z. B. dass man in einer ungesunden Sitzhaltung am Schreibtisch sitzt oder jeden Morgen ein paar Minuten zu spät aus dem Haus geht und dann rennen muss, um den Bus noch zu bekommen. Die meisten Menschen haben die eine oder andere Gewohnheit, die sie gerne loswerden würden. Und vielleicht geht es Ihnen ja ganz ähnlich.


Dabei haben viele von uns auch schon versucht, sich etwas abzugewöhnen, und dabei festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist.

Hier sind neue Erkenntnisse der Gehirnforschung, die uns dabei helfen können, ungeliebte Gewohnheiten loszuwerden. Wie das genau gehen kann, können Sie in einem Selbstexperiment mit Ihrer eigenen Gewohnheit ausprobieren.

Wie funktionieren Gewohnheiten?
Gewohnheiten sind in ganz vielen Fällen ja unheimlich praktisch. Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich jedes Mal, wenn Sie sich die Zähne putzen oder beim Autofahren beschleunigen, bewusst überlegen, was Sie dazu genau machen müssten. Das könnte ganz schön nerven und wäre auch ziemlich anstrengend. Bei vielen Gewohnheiten sind wir froh darüber, dass sie uns das Leben erleichtern. Wenn wir verstehen wollen, wie wir Gewohnheiten verändern können, müssen wir zunächst etwas mehr darüber wissen, wie das mit unserem gewohnheitsmäßigen Handeln eigentlich genau funktioniert.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es in unserem Gehirn ein Areal gibt, in dem Gewohnheiten abgespeichert werden, die so genannten Basalganglien. Dieser Bereich in unserem Gehirn ist dafür verantwortlich, dass wir uns bei gewohnheitsmäßigen Handlungen nicht mehr bewusst überlegen müssen, was wir nun genau machen müssen. Wie wir die Zahnbürste halten oder wie wir genau vorgehen müssen, wenn wir das Auto von 0 auf 50 km/h beschleunigen wollen. Das Problem mit den Basalganglien ist, dass wir mit unseren Absichten kaum auf sie zugreifen können, weil dieser Bereich unseres Gehirns unserem bewussten Willen nur schwer zugänglich ist. Wir können also kaum eingreifen, wenn eine Gewohnheit erst einmal in Gang gesetzt ist. Wir merken das, wenn wir versuchen, uns – z. B. aufgrund einer wunden Stelle im Mund – die Zähne anders zu putzen als gewohnt. Dazu muss man sich dann nämlich sehr gut konzentrieren, sonst fährt man doch wieder automatisch über die schmerzhafte Stelle.

Wo es um unsere Gewohnheiten geht, haben die Basalganglien das Kommando. Also das Areal in unserem Gehirn, in dem Gewohnheiten abgespeichert werden. Dieses reagiert auf bestimmte Auslösereize und sorgt dann dafür, dass unser gewohnheitsmäßiges Handeln in Gang gesetzt wird. Zum Beispiel kann der Anblick einer Zigarettenschachtel der Auslöser für das Rauchen sein. Oder die leere Wohnung am Abend kann der Auslöser sein, sich an den Computer zu setzen und stundenlang Computer zu spielen. Der Auslösereiz ist allerdings nicht alleine für unser gewohnheitsmäßiges Handeln verantwortlich. Hinzu kommt noch, dass wir mit jeder gewohnheitsmäßigen Handlung ein Verlangen stillen. Jedes Mal, wenn wir unsere Gewohnheit ausführen, erhalten wir eine Belohnung, z. B. die Entspannung beim Rauchen einer Zigarette oder dass wir beim Computerspielen nicht mehr merken, dass wir uns alleine fühlen. Die Routine einer Handlung ist also immer eingebettet zwischen Auslöser und Belohnung.

Gewohnheiten sind erlernt
Wodurch das gewohnheitsmäßige Verhalten ausgelöst wird und welches Verlangen wir mit unserer Gewohnheit stillen, haben wir irgendwann einmal gelernt. Vielleicht haben bei der Arbeit viele Kollegen das Rauchen einer Zigarette zum Anlass für eine Pause genommen oder man hat in einer Situation, in der man sich alleine fühlte, das erste Mal ein Computerspiel gespielt und erlebt, dass man sich dabei weniger einsam fühlt. Wiederholt man dieses Verhalten dann häufiger, wird es zur Gewohnheit und alleine der Auslösereiz und das Verlangen nach der Belohnung reichen aus, um das gewohnte Verhalten fast zwangsläufig in Gang zu setzen.

Dass wir nicht bewusst auf unsere gewohnheitsmäßigen Prozesse in den Basalganglien zugreifen können, erklärt auch, wieso es so schwierig ist, sich etwas abzugewöhnen. Und wie bei vielen Dingen ist es auch hier so: Wenn man erst einmal weiß, wieso eine Sache schwierig ist, lässt sich womöglich auch leichter eine Lösung finden.

Wie lassen sich Gewohnheiten loswerden?
Wenn wir alte Gewohnheiten loswerden wollen, funktioniert das am besten, indem wir sie durch neue Gewohnheiten überlagern. Dazu muss ein neues Verhalten mit dem alten Auslöser verknüpft werden und möglichst gut das gleiche Bedürfnis erfüllen, das bisher mit der alten Gewohnheit befriedigt wurde. Zum Beispiel statt Computer zu spielen, um sich nicht alleine zu fühlen, ruft jemand dann einen Freund an.

Das klingt jetzt erst einmal recht theoretisch und ist vielleicht auch eher unrealistisch. Die meisten von uns haben erlebt, dass sich Gewohnheiten eben nicht so einfach ändern lassen.

Es ist also gar nicht so einfach, das Computerspielen bleiben zu lassen und stattdessen einen Freund anzurufen. Das ist so, weil unsere Gewohnheiten ja automatisch ablaufen. Dadurch merken wir oftmals erst, wenn es schon zu spät ist, dass wir uns wieder wie gewohnt verhalten. Man sitzt dann z. B. vor dem Computerspiel, ehe man sichs versieht, oder hat die halbe Chipstüte bereits leer gegessen, bevor es einem bewusst wird. Der Auslöser war da und dann läuft die Gewohnheit ab, ohne, dass wir direkten Zugriff darauf haben. Sie erinnern sich? Das ist so, weil wir mit unseren Absichten keinen Zugriff auf die Basalganglien haben.

Die Basis ist also, dass wir uns unserer Verhaltensmuster bewusst werden. Denn nur so können wir aktiv eingreifen und unser Verhalten verändern.

Und damit beginnt auch das Selbstexperiment, das ich Ihnen heute vorstellen möchte.

Das Selbstexperiment
Möchten Sie gerne eine lästige oder ungeliebte Gewohnheit loswerden? Dann können Sie hier gleich damit starten und ein kleines Experiment mit sich selber machen.

Schritt 1: Eine Gewohnheit, die man loswerden möchte, benennen
Entscheiden Sie sich für ein gewohnheitsmäßiges Verhalten, das Sie gerne loswerden möchten, z. B. weniger Schokolade essen, Unpünktlichkeit, eine ungesunde Sitzhaltung, auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen.

Schritt 2: Den Auslöser identifizieren
Finden Sie heraus, wodurch dieses Verhalten ausgelöst wird. Fragen Sie sich dazu:

Was passiert, unmittelbar bevor ich die Gewohnheit ausführe?
Woran denken Sie, bevor Sie sich so gewohnheitsmäßig verhalten?
In welchen Situationen tritt diese Gewohnheit auf?
Beispiele:

Schokolade essen => wenn ich abends auf dem Sofa sitze

ungesunde Sitzhaltung => wenn ich es bei der Arbeit bequem haben möchte

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => wenn ich müde werde, aber zu faul zum Aufstehen bin

Vielleicht wissen Sie im ersten Moment nicht, was genau Ihr Verhalten auslöst. Das ist völlig normal, weil es ja gewohnheitsmäßig abläuft und uns meist nicht bewusst ist. Da hilft es, wenn Sie sich einige Male bei Ihrem gewohnheitsmäßigen Verhalten beobachten. Vermutlich wissen Sie zwar, in welchen Situationen Sie sich gewohnheitsmäßig verhalten. Nur der ganz genaue Auslöser ist Ihnen vielleicht noch nicht klar. Auch in den Beispielen lässt sich der Auslöser noch stärker konkretisieren. Das ist übrigens wichtig, weil Sie dann die neue Gewohnheit noch besser auf den Auslöser abstimmen können.

Beispiele:

Schokolade essen => wenn ich abends auf dem Sofa sitze => meist in dem Moment, wenn die Werbung meine Gefühle anspricht und ich mich nach gemütlicher Stimmung und z. B. Geborgenheit und Harmonie sehne.

ungesunde Sitzhaltung => wenn ich es bei der Arbeit bequem haben möchte => wenn ich mich besser konzentrieren will

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => wenn ich müde werde, aber zu faul zum Aufstehen bin => Ich möchte mich nicht der Stille im Schlafzimmer aussetzen, nicht zur Ruhe kommen, ich will nicht, dass der Tag schon zu Ende ist.

Schritt 3: Auslöser wahrnehmen
Als Nächstes geht es darum, dass Sie lernen, die Auslöser wahrzunehmen. Sie erinnern sich? Unsere Auslöser nehmen wir oft gar nicht bewusst wahr, weil unsere Gewohnheiten ja bereits so automatisch ablaufen. Damit wir eine neue Gewohnheit etablieren können, ist es jedoch wichtig, zu registrieren, wann unser gewohnheitsmäßiges Verhalten ausgelöst wird.

Wie nimmt man aber nun bewusst die Auslöser für seine ungeliebten Gewohnheiten wahr? Ein erster Schritt besteht darin, achtsamer zu werden und sich erst einmal nur darauf zu konzentrieren, die Auslöser zu erkennen und bewusst wahrzunehmen. Ohne sein Verhalten gleichzeitig verändern zu wollen. Um die Auslöser besser wahrzunehmen, macht man die Auslöser am besten sichtbar oder fühlbar. Das lässt sich gut verwirklichen, wenn man mit dem Auslösereiz eine Handlung verbindet, sich z. B. eine Notiz macht oder eine bestimmte Bewegung ausführt. Jedes Mal, wenn jemand z. B. erkennt „Ach ja, da ist es wieder. Jetzt greife ich ganz automatisch zu der Chipstüte“, macht er einen Strich auf einem Zettel, den er immer bei sich trägt.

Nehmen Sie Ihre Auslösereize einige Tage, z. B. eine Woche lang, wahr, sodass Sie immer häufiger merken, wann Ihr gewohnheitsmäßiges Verhalten in Gang gesetzt wird.

Möglichkeiten, um die Auslöser bewusst zu registrieren:

Tragen Sie ständig Papier und Stift bei sich und machen Sie für jeden Auslösereiz, den Sie wahrnehmen, einen Strich auf Ihr Blatt. Zum Beispiel immer, wenn Sie beim Fernsehgucken merken, dass Sie jetzt Schokolade essen möchten.
Tragen Sie ein Armband, das Sie jedes Mal von einem Handgelenk zum anderen wechseln, wenn Sie einen Auslöser für Ihre Gewohnheit wahrnehmen. Zum Beispiel, wenn Sie  bei einer Verabredung oder einem Termin denken: „Das schaff ich schon noch.“
Stecken Sie sich einen kleinen Stein, eine Haselnuss oder einen anderen kleinen Gegenstand in die Hosentasche. Jedes Mal, wenn Sie einen Auslöser wahrnehmen, stecken Sie den Gegenstand in die andere Hosentasche. Zum Beispiel immer wenn Sie feststellen, dass Sie in die ungesunde Sitzhaltung wechseln wollen.
Wenn man diese Wahrnehmungsübung eine Zeit lang, z. B. eine Woche lang, durchgeführt hat, werden einem die Momente, in denen das gewohnheitsmäßige Verhalten ausgelöst wird, immer bewusster.

Schritt 4: Die Belohnung oder das Verlangen herausfinden
Im nächsten Schritt geht es darum, das Bedürfnis, das wir mit der Gewohnheit befriedigen wollen, herauszufinden. Auch hier kann man sich am besten einige Male bei dem gewohnheitsmäßigen Verhalten beobachten. Weil sich dann ganz konkret spüren lässt, welches Verlangen man in der jeweiligen Situation stillen möchte.

Fragen Sie sich dazu:

Wozu tu ich das, was ich da mache?
Was bekomme ich, wenn ich meine Gewohnheit ausführe?
Was würde ich vermissen, wenn ich mich nicht so verhalte, wie ich es gewohnt bin?
Schokolade essen => Bedürfnis nach Geborgenheit, möchte mich sicher und aufgehoben fühlen.

ungesunde Sitzhaltung => Bequemlichkeit, Entspannung

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => Ich möchte keine Zeit verschwenden, möchte von den Gedanken in meinem Kopf abgelenkt sein.

Schritt 5: Eine neue Gewohnheit finden
Damit die neue Gewohnheit sich auch wirklich umsetzen lässt, ist es besonders wichtig, eine Handlung zu finden, die das gleiche Verlangen stillt wie die ursprüngliche Gewohnheit. Dies gehört mit zum Kniffligsten, wenn wir alte Gewohnheiten loswerden wollen. Weil wir oftmals gar nicht so leicht darauf kommen, wie wir dieses Bedürfnis auch noch auf andere Weise befriedigen könnten.

Fragen Sie sich:

Wie könnte ich dieses Verlangen noch stillen?
Wie gehen andere mit diesem Bedürfnis um? (Diese Frage kann einen vielleicht auf kreative Ideen bringen.)
Welche Handlungen gibt es in meinem Leben schon, mit denen ich dieses Bedürfnis befriedige?
Und entscheiden Sie sich für eine neue Gewohnheit, die Sie statt der alten einführen wollen.

Beispiele:

Schokolade essen => Bedürfnis nach Geborgenheit, möchte mich sicher und aufgehoben fühlen => in eine kuschelige Wolldecke einmummeln, einen Tee aus einer besonders schönen Tasse trinken, Teekanne mit Stövchen aufstellen, Kerzen anzünden

ungesunde Sitzhaltung => Bequemlichkeit, Entspannung => einen Fußhocker an den Schreibtisch stellen, auf dem ich die Füße bequem hochlegen kann

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => möchte von den Gedanken in meinem Kopf abgelenkt sein => im Bett Hörbücher hören oder lesen

Schritt 6: Beginnen Sie mit der neuen Gewohnheit
Wenn Sie Ihre Auslösereize zuverlässig und leicht registrieren können, beginnen Sie damit, die neue Gewohnheit einzuüben. Dazu müssen Sie in dem Moment, wenn Sie Ihren Auslösereiz registrieren, sich bewusst für das andere Verhalten entscheiden. Das ist mit das Schwierigste, wenn Sie eine neue Gewohnheit etablieren möchten. Der Schritt zu der neuen Gewohnheit fällt aber umso leichter, je besser diese neue Gewohnheit Ihr Verlangen, das Sie mit der alten Gewohnheit gestillt haben, erfüllt.

Zuvor müssen Sie aber vielleicht noch einige Dinge einrichten, damit Sie möglichst ohne Widerstände mit Ihrer neuen Gewohnheit starten können.

Beispiele:

Schokolade essen => Bedürfnis nach Geborgenheit, möchte mich sicher und aufgehoben fühlen => in eine kuschelige Wolldecke einmummeln, einen Tee aus einer besonders schönen Tasse trinken, Teekanne mit Stövchen aufstellen, Kerzen anzünden => schöne Wolldecke kaufen, verschiedene Sorten Tee besorgen, Teekanne mit Stövchen aus dem Keller holen, schöne Kerze kaufen

ungesunde Sitzhaltung => Bequemlichkeit, Entspannung => einen Fußhocker an den Schreibtisch stellen, auf dem ich die Füße bequem hochlegen kann => Fußhocker besorgen und direkt neben den Schreibtisch stellen

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => möchte von den Gedanken in meinem Kopf abgelenkt sein => im Bett Hörbücher hören oder lesen => interessante Hörbücher und Bücher besorgen und am Bett bereitstellen

Wenn Sie merken, dass es Ihnen nicht gelingt, das gewohnte Verhalten durch Ihr neues Verhalten zu ersetzen, fragen Sie sich:

Welche Auslösereize könnte es noch geben?
Muss ich noch besser lernen, die Auslöser wahrzunehmen, und mir dafür vielleicht noch ein wenig Zeit nehmen?
Gibt es noch andere Bedürfnisse, die durch die alte Gewohnheit befriedigt werden, die ich bei der neuen Gewohnheit nicht berücksichtigt habe?
Wie könnte mein Bedürfnis, das durch die alte Gewohnheit befriedigt wird, durch eine neue Gewohnheit noch besser gestillt werden?
Und wenn Ihnen keine weiteren Ideen einfallen, welche Auslöser es noch geben könnte oder wie Sie ein Bedürfnis noch auf andere Weise befriedigen könnten, fragen Sie vielleicht einen guten Freund oder eine Freundin. Oftmals kommen dabei sehr kreative Ideen heraus, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre. Und dann experimentieren Sie mit diesen Ideen wieder weiter.

Nochmal kurz zusammengefasst die 6 Schritte:

Störende Gewohnheit benennen.
Auslöser identifizieren.
Auslöser wahrnehmen.
Belohnung identifizieren.
Ersatz-Gewohnheit finden.
Die neue Gewohnheit beginnen.
Auch damit ist es nicht einfach, seine Gewohnheiten loszulassen, aber es kann Sie einen guten Schritt voranbringen. Aber es ist wie ein Wunder: Es lohnt sich, sich an dieser Stelle aufmerksam zu beobachten und den Versuch zu wagen, eine neue, erfolgsbringende Gewohnheit zu etablieren.

Quelle www.zeitzuleben.de Von Nicole Alps

Mittwoch, 9. Mai 2018

Jeder Vierte vergeigt die Probezeit

Wenn es im neuen Job nicht richtig läuft, kann der neue Arbeitgeber ohne Angabe von triftigen Gründen das Arbeitsverhältnis auflösen.

Für die meisten ist das Schreiben der Bewerbung und das Vorstellungsgespräch die größte Hürde auf dem Weg zum Traumjob. Ist diese geschafft, knallen die Sektkorken. „Zu früh gefreut!“. Die heikelste Phase beginnt nämlich erst mit der Probezeit!

Dann geht das Bewerben eigentlich erst richtig los, das erste halbe Jahr ist ein Schleudersitz. Man kann da ohne große Begründung jederzeit nach Hause geschickt werden. Dieses Schicksal trifft etwa jeden vierten Arbeitnehmer.

Das Vorstellungsgespräch ist eigentlich nur Vorgeplänkel. Wichtig sei deshalb, die ersten Tage, Wochen und Monate in einem neuen Unternehmen sehr bewusst anzugehen. Am Anfang muss man erst einmal schauen, nach welchem Takt gespielt wird und welche Regeln gelten. Es geht darum, sich über die Aufgaben, den Kollegen und Vorgesetzten im Umfeld zu orientieren. Wer sich sofort überall einmischt und ständig Verbesserungsvorschläge macht, wird schnell als Feind wahrgenommen.

Sie zehn fatalsten Fehler in der Probezeit

Besserwisserei
„In meiner letzten Firma haben wir aber...“ Wer solche Sätze sagt, könnte genauso gut in einem katholischen Gottesdienst die Lesung hinduistischer Gebete fordern. In dieser Hinsicht sind Firmen wie Religionsgemeinschaften: Jede hat ihren eigenen Glauben, jede hält sich für die beste. Unterlassen Sie am besten solche Hinweise, sonst sind Sie ganz schnell wieder draußen.

Bräuche nicht kennen
In jeder Firma gibt es Gewohnheiten. Vielleicht war es in Ihrem letzten Unternehmen üblich, dass man sich nachmittags auf dem Flur traf, einen Kaffee trank und ein kleines Schwätzchen hielt. Aber mit demselben Verhalten können Sie in Ihrer neuen Firma eine knallharte Bauchlandung erleben. Tipp: Lernen Sie möglichst schnell die Spielregeln der neuen Firma.

Duzfreunde
Sie kennen das bestimmt: Alle in der neuen Firma duzen sich, nur Sie werden noch mir „Frau“ oder „Herr“ angesprochen. Machen Sie dann bloß nicht den Fehler und bieten allen sofort das Du an. Wer neu ist in einer Firma, verletzt die Spielregeln, wenn er diese Initiative ergreift. Tipp: Warten!

Fremdsprache
Mit den neuen Medien änderten sich auch die Sprachgewohnheiten in vielen Unternehmen. Anglizismen sind inzwischen allgegenwärtig. Wer sich nicht an bestimmte Ausdrücke (z.B. Key-Account-Manager statt Betreuer für Großkunden) gewöhnt, ist ganz schnell außen vor. Ein neuer Mitarbeiter hat sich wie ein Gast zu verhalten – und den Gastgebern nicht seine (Sprach-)Gewohnheiten aufzudrücken, sondern deren Gewohnheiten im Zweifel zu übernehmen.

Vitamin B vernachlässigen
Jeder Neuling hat einen großen Förderer: den, der ihn eingestellt hat. Denn welcher Chef lässt sich gerne nachsagen, ihm sei bei der Personalauswahl ein Missgriff passiert? Tipp: Suchen Sie von Anfang an Kontakt zum Chef. Er entscheidet schließlich, ob Sie nach der Probezeit übernommen werden.

Bündnisse
An jedem Arbeitsplatz gibt es Grüppchen. Die einen können paktieren, die anderen zanken, und wieder andere meiden sich. Für einen Neuling ist es wichtig, diese Beziehungsgeflechte möglichst rasch zu durchschauen. Tipp: Ohren spitzen, um heraus zu finden, wer mit wem kann und wo Vorsicht geboten ist.

Nicht fragen
Ein Neuling in der Firma ist zwangsläufig überfordert. Er kennt die Abläufe nicht, die Namen der Ansprechpartner, die ganze Struktur. Tipp: Sammeln Sie die Fragen, die sich im Laufe eines Tages ergeben, und sprechen Sie sie strukturiert mit einem Kollegen oder Ihrem Vorgesetzten durch.

Sekretärin verärgern
Machen Sie bloß nicht den Fehler und legen sich mit der Chef-Sekretärin an. Denn sie kennt mit Sicherheit viele Menschen in der Firma und ist, wenn sie schlecht über einen Neuen spricht, ein hocheffektiver Verteiler.

Löcher in den Bauch fragen
Fragen ist gut, aber wenn Sie keine Briefmarke auf einen Umschlag kleben, ohne sich vorher bei Ihrem Chef abzusichern, wird man Sie entweder zu den Kleinkindern in den Betriebskindergarten schicken – oder, weil Sie die Altersgrenze schon längst überschritten haben, am Ende Ihrer Probezeit in die Wüste.

Der Ort-Mord
Wer an einen neuen Arbeitsort kommt und über diese Gegend allzu deutlich böse Worte verliert, der begeht damit in den Augen der Kollegen oft eine Kollektivbeleidigung und gilt als „arrogant“. Denn die meisten reden sich den Ort schön, an dem sie schon seit Jahren leben und arbeiten. Tipp: Zurückhaltung in den ersten Monaten.

Gerade am Anfang ist es wichtig, sehr bescheiden aufzutreten, kleine Brötchen zu backen, genau hinzuschauen und zu beobachten. Ein gutes Vorbild sind Azubis. Wenn die ihre Ausbildung anfangen, wissen sie, dass sie erstmal der kleine Stift sind. Diese anfängliche Zurückhaltung fehlt Hochschulabsolventen oft.“

Die größte Herausforderung am Anfang ist, es allen recht zu machen. Der Chef erwartet, dass man fachlich tolle Leistungen liefert ohne aber gleich alles auf den Kopf zu stellen. Die Kollegen hoffen, dass der Neue ihnen Arbeit abnimmt – man darf sie aber auch nicht als Faulpelze dastehen lassen.

Konkret heißt das: Man sollte sich schon reinhängen und abends nicht als Erster nach Hause gehen. Aber man sollte auch nicht der Allerletzte sein, der abends Feierabend macht, oder am nächsten Morgen damit auftrumpfen, dass man den ganzen Abend noch zu Hause gearbeitet hat.

Vor allem braucht man möglichst schnell ein Netzwerk. Wer es wirklich gut machen will, der legt eine Kollegen- und Chefdatei an. Denn es ist wichtig, das System und seine Strukturen zu durchschauen. Von wem kriege ich Informationen? Wer trifft die Entscheidungen? Wer passt in mein Netzwerk? Bei welchen Kungeleien sollte ich mich lieber raushalten? Diese Orientierung im neuen Team ergibt sich nicht von alleine – man muss es sich erarbeiten.

Quelle www.bild.de 20.11.2012 

Dienstag, 8. Mai 2018

Lobenswert – Die Kunst zu Loben

Lob ist nicht nur Labsal für die Seele – es ist ein mächtiges Instrument, um das Verhalten anderer zu verändern: Lob bringt die Menschen dazu, selbigem gerecht zu werden; es wärmt das Herz und öffnet den verstockten Geist. Durch sublimen Beifall lassen sich Chefs genauso lenken wie Kollegen.


Das hat nichts mit Schleimen zu tun, weil das lediglich Botschaften transportiert, die der andere hören will. Loben dagegen vermittelt eigene Ziele und verstärkt so gewünschtes Betragen. Jemandem zu sagen, dass er dieses oder jenes sein lassen soll, wirkt längst nicht so überzeugend wie die diskrete Einflussnahme durch gezielte Anerkennung: „Der Schmeichelei gehen auch die Klügsten auf den Leim“, erkannte schon der französische Dramatiker Molière. Und auch rund 300 Jahre später stellte der Tiefenpsychologe Sigmund Freud noch fest, dass sich der Mensch wohl gegen Angriffe wehren könne, gegen Lob aber „machtlos“ sei.

Allerdings: Nichts will so gekonnt sein und wird doch so vernachlässigt wie intelligenter Applaus.

Napoleon sah den Beifall skeptisch. Für ihn war Lob der Dolch, nach dem der Mächtige stets Ausschau halten musste. Denn hinter dem Kompliment verbarg sich womöglich ein widerlicher Opportunist oder ein Cäsarenmörder in spe. Dabei muss Napoleon die heimliche Macht des Lobens und des Schmeichelns durchaus bewusst gewesen sein, sonst hätte er wohl nie einen solchen Argwohn dagegen entwickelt.

Und heute? In nicht wenigen Unternehmen gilt das Motto: Die Abwesenheit von Kritik ist Lob genug. Wie sagte schon der deutsche Maler Anselm Feuerbach: „Tadeln ist leicht, deshalb versuchen sich so viele darin. Mit Verstand loben ist schwer, darum tun es so wenige.“ Und tatsächlich vermissen deutsche Arbeitnehmer genau das: Lob. So kam eine Erhebung der Hewitt Associates, bei der 120.000 Mitarbeiter und 3000 Führungskräfte in rund 600 Unternehmen befragt wurden zu dem Ergebnis: 42 Prozent der Arbeitnehmer finden, dass ihre Leistung nicht ausreichend gewürdigt wird.

Weiter oben in der Hierarchie sieht das nicht anders aus: So sehnen sich ebenso über 65 Prozent der deutschen Manager nach mehr Lob im Job, was wiederum eine Umfrage unter rund 970 Führungskräften vom Verband „die Führungskräfte“ und der Kommunikationsberatung Kehkom ermittelt hat. 88,5 Prozent der Befragten waren zugleich davon überzeugt, dass regelmäßiges Lob den Unternehmenserfolg steigert. Und hier widersprechen sich beide Umfragen ein wenig. Denn während die Arbeitnehmer den Applaus vermissen, geben rund 50 Prozent der Manager an, ihre Mitarbeiter mindestens einmal in der Woche, 25,2 Prozent wenigstens noch einmal im Monat zu loben. Die meisten tun dies verbal (96,1 Prozent), gut ein Drittel per Prämien und 24 Prozent durch Gehaltserhöhungen. Dankschreiben (12,6 Prozent) und öffentliche Anerkennung (8,2 Prozent) spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Die Mehrheit der Manager selbst findet übrigens verbales Lob genauso wichtig wie monetäre Anerkennung (66,5 Prozent) – 22,6 Prozent bevorzugen allerdings letztere.

Und das könnte das Problem sein. Nehmen wir zum Beispiel Peter. Peter ist ein Freund von mir und hat einen verantwortungsvollen, kreativen Job, der ihn ausfüllt und ihm Spaß macht. Jeden Tag kniet er sich voll rein, arbeitet länger als er müsste, 10-Stunden-Tage sind normal, nicht selten werden es zwölf. Wenn alles gut läuft, sind seine Chefs zufrieden. Wenn nicht, gibt es Krisensitzungen. Dass er sich mehr abrackert als manch anderer im Team, dass er sich im Grunde selbst ausbeutet ohne dass das Einfluss auf seine Laufbahn oder Leidenschaft hätte, das interessiert keinen.

Es sind immer die Fleißigen, die Leidenschaftlichen und Engagierten, die darauf besonders sensibel reagieren, wenn der Beifall ausbleibt. Sie geben alles für ihren Job und spüren gleichzeitig, wie wenig davon zurückkommt. Was sie auch schaffen, es wird kaum geschätzt, womöglich nicht einmal registriert. Das frustriert ungeheuer und tut manchmal sogar physisch weh – als wenn man seinem Partner sagt „Ich liebe Dich“ und der nur antwortet „Ich weiß“.

Gerade in den mittleren Positionen wird erstaunlich selten gelobt. Wer die Karriereleiter hochklettert, muss stärker auf Anerkennung verzichten. Kollegen können sich noch untereinander auf die Schulter klopfen, aber wenn Mitarbeiter ihre Chefs loben, stehen sie sofort im Verdacht, sich einschleimen zu wollen. Und je höher einer kommt, desto kleiner wird der Kollegenkreis, bis hin zur sprichwörtlichen Einsamkeit an der Spitze. Dabei sind auch Manager nur Menschen, die Anerkennung genauso brauchen wie der Mann am Band.

Wie Gesten der Hilflosigkeit muten dann Prämien oder Gehaltserhöhungen an, wenn diese verspätete Würdigung ausdrücken sollen. Hängen bleibt am Ende dann doch nur eins: Leistung lohnt nicht.

Fehlen positive Rückmeldungen aber, tendieren Menschen dazu, ihre Patzer zu vertuschen, um wenigstens den Tadel zu vermeiden. Aus totgeschwiegenen Fehlern kann wiederum keiner lernen und sie wiederholen sich. Die zweite Folge ist Stress. So konnten Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Soziologie der Universität Düsseldorf belegen, dass fehlende Wertschätzung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Leiden fördern kann. Lob, so die Forscher, senke die Krankheitsrisiken dagegen deutlich. Die positive Wirkung der Wertschätzung wies auch Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nach: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Leistungskraft verbessert.

„Es ist ein Zeichen von Mittelmäßigkeit, nur mittelmäßig zu loben“, mäkelte der US-Präsident Benjamin Franklin. Recht hat er: Handgeschriebene Zettel, eine aufmunternde E-Mail, ein kurzer Anruf, ein Schulterklopfen vielleicht sogar – privat oder im Kollegenkreis – sind nicht nur billiger als Boni, sondern viel wirkungsvoller, weil sie die Rückmeldung um zwei wertvolle Beigaben bereichern: aufgewendete Zeit und menschliche Nähe.

Zugegeben, Loben kann auch destruktiv wirken. Dann etwa, wenn es zu einer Art Motivations-Droge mutiert. Ein bauchpinslerisches „Prima!“, „Super!“ oder „Weiter so!“ kann niemals die eigene, die intrinsische Motivation ersetzen. Für den Managementberater und Bestsellerautor Reinhard Sprenger sind solche Lobesarien nichts weiter als „Fremdsteuerung und Manipulation“ durch Vorgesetzte. Dahinter stecke der Generalverdacht, Arbeitnehmer seien von Natur aus faul, und wenn man ihnen nicht ab und an eine Karotte vor die Nase hält, bewegen sie sich nicht. Also muss man sie immer wieder bedrohen, bestrafen, bestechen, belohnen, belobigen – alles klassische Indizien einer Misstrauenskultur.

Umgekehrt kann die Aussage, dass einer mehr gelobt werden möchte, somit auch unfreiwillig entlarven: Sie degradiert den Jammerer zum unselbstständigen Esel, der seine Möhre vermisst. So jemand profiliert sich nicht wirklich als Leistungsträger und Leiter in spe.

Fazit: Loben ist keine Holschuld, es bleibt eine Bringschuld. Für den Einzelnen heißt das, dass er sich davon möglichst unabhängig machen sollte. Schon im eigenen Interesse. Es heißt aber auch, möglichst oft selber zu loben – auf Augenhöhe, nach oben wie nach unten.

Richtig zu loben ist aber eine Kunst! Jemandem nur zu sagen „Gut gemacht!“, reicht nicht – im Gegenteil: Ohne konkrete Begründung verkehrt sich die Effekt. „Wen jemand lobt, dem stellt er sich gleich“, räsonierte Goethe. Mindestens. Meist erhöht sich der Lobende sogar, weil er scheinbar als einziger die fremde Leistung bewerten darf. So funktioniert das nicht. Damit Komplimente das Herz des anderen wirklich berühren und ihn zur gewünschten Reaktion bewegen, müssen sie zwei Bedingungen erfüllen:

    Lob muss ehrlich sein. Es muss klar werden, womit es verdient wurde. Unverdienter Beifall lärmt nur wie verkleideter Spott. Zudem ist jedes Kompliment nur soviel wert, wie der Mensch, der es verschenkt. Oder wie Lessing einmal sagte: „Der wahre Virtuose spottet bei sich über jede uneingeschränkte Bewunderung, nur das Lob desjenigen kitzelt ihn, von dem er weiß, dass er auch das Herz hat, ihn zu tadeln.“ Wichtig ist deshalb, bei den Fakten zu bleiben und weder zu übertreiben, noch herunterspielen. Je spezifischer die erzielten Erfolge geschildert werden, desto fundierter wirkt die Anerkennung. So kann der Betroffene auch davon lernen.
    Lob muss emotional sein. Gefühle wirken stärker als sachliche Argumente. Für die Glaubwürdigkeit ist daher entscheidend, dass echte Begeisterung des Laudators spürbar wird, ebenso dass er dem anderen auf Augenhöhe begegnet. Dasselbe gilt für Einschränkungen – und sei es die kleinste Kritik: Jeder Schönheitsfleck degradiert das Lob zur Fassade. Deshalb sollte man darauf verzichten.

Lob ist sanfte Manipulation in bester Absicht. Das richtige Bonmot im richtigen Augenblick überzeugend vorgebracht, hilft nicht nur dabei, fehlgeleitete Kollegen auf die rechte Spur zurück zu führen. Mit gezielten Komplimenten können Sie andere enorm ermutigen. Zum Beispiel so:

    Zeigen Sie Interesse. Von all den hier genannten Punkten ist das sowohl der einfachste wie auch effektivste, andere – seien es Mitarbeiter, Kollegen, Freunde, Partner – zu ermutigen: Zeigen Sie, dass Sie sich wirklich dafür interessieren, was der andere macht oder erreichen will. Stellen Sie Fragen. Loben Sie. Bewundern Sie. Nichts wirkt stärker.
    Wertschätzen Sie. Sprichwörtlich: Also nicht nur Schulterklopfen, sondern schätzen Sie den Wert der Sache und bestätigen Sie die große Bedeutung dieses Beitrags. Menschen hassen das Gefühl, nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe – oder (noch schlimmer) das Reserverad – zu sein. Umgekehrt: Wenn Sie ihren Plänen und Projekten einen hohen Wert beimessen – am besten öffentlich – schlägt das sofort auf das Selbstbewusstsein durch, baut auf und weckt neuen Enthusiasmus.
    Bitten Sie um Rat. Es ist die subtilste Form des Lobes – und kaum jemand kann diesem Antrag widerstehen, sein Können und Wissen weiterzugeben, weil er darum gebeten wird. Erstens, weil Sie ihn dadurch erhöhen (Er der Meister – Sie der Schüler); zweitens, weil er sich so verewigen kann. Schließlich setzen Sie sein profundes Wissen damit weiter. Und am Ende ist es einfach ein sehr erbauliches Gefühl, der Welt etwas Gutes von sich hinterlassen zu haben.
    Zeigen Sie Dankbarkeit. Es gibt Menschen, die helfen gerne. Sobald sie Probleme sehen, packen sie an oder erledigen die Dinge, die getan werden müssen, ungefragt, als wäre es selbstverständlich. Ist es aber nicht. Und mangelnde Dankbarkeit kann diese Menschen sehr schnell bitter machen. Dann fühlen sie sich nur noch ausgenutzt. Traurig und folgenschwer – denn nicht selten sind sie die guten Seelen, die einen Betrieb oder eine Familie enorm bereichern.
    Revanchieren Sie sich. Pop-Ikone Madonna singt in ihrem Hit „Sorry“ die Zeile „Don’t explain yourself cause talk is cheap“. Recht hat sie! Ein Dankeschön, gelegentlicher Beifall und Wertschätzung tun zwar gut – auf Dauer aber können Sie Taten nicht ersetzen. Reden ist billig. Revanchieren Sie sich ab und an auch – und zeigen Sie damit, wie wertvoll der vorherige Gefallen oder die gezeigte Leistung tatsächlich für Sie war.
    Überraschen Sie. Die meisten Menschen, die Überdurchschnittliches leisten oder sich herausragend engagieren, haben ein gutes Gespür dafür, das dies auch so ist. Deswegen erwarten Sie meist auch irgendeine Reaktion ihrer Umwelt darauf. Das Mindeste ist dann Lob oder Anerkennung. Viel größer aber ist der ermunternde Effekt, wenn Sie über solche Erwartungen hinausgehen. Etwa, wenn Sie dem Betreffenden aufgrund seiner Leistung einen Tag frei geben. Oder ihm und seinem Partner ein romantisches Wochenende in einem Nobelhotel spendieren – schließlich haben sich die beiden in den vergangenen Wochen wegen des wichtigen Projekts kaum noch gesehen… Egal wie, seien Sie kreativ, spontan und gehen auch Sie bei Ihrer Wertschätzung über Durchschnittliches hinaus.

Merke: Das Klopfen auf die Schulter liegt zwar nur ein paar Rückenwirbel über dem Tritt in den Steiß – in Sachen Effizienz ist es diesem aber deutlich überlegen.

Quelle: www.karrierebibel.de von Jochen Mai

Montag, 7. Mai 2018

14 Dinge, die ihr in einem Bewerbungsgespräch nie sagen solltet

Es gibt viele Möglichkeiten, sich jede Chance auf den neuen Job zu verbauen. Zum Beispiel, indem man Fehler in sein Anschreiben einbaut. Oder indem man zu spät oder verkatert zum Vorstellungsgespräch auftaucht.

Aber auch, wenn das Anschreiben fehlerfrei ist und man pünktlich und top vorbereitet erscheint, gibt es immer noch viele Dinge, durch die man negativ auffallen kann. Und damit meinen wir nicht (nur) Bemerkungen wie „Ich muss jeden Tag um 15:00 Uhr Feierabend machen — wegen meinen Hobbys“. Nein, hier geht es um die kleinen Patzer, die einem oft ganz unbewusst unterlaufen. Denn auch sie lassen die Chance auf eine Anstellung schwinden.

 „Nervös“, „aufgeregt“ und Ähnliches

Vor dem Vorstellungsgespräch nervös zu sein, ist absolut normal. Aber selbst wenn ihr sehr, sehr aufgeregt seid, solltet ihr das nicht zeigen. Unternehmen suchen Mitarbeiter mit Selbstvertrauen und keine zitternde Nervenbündel.

Auf die Einstiegsfrage „Wie geht es Ihnen“ solltet ihr also ausnahmsweise nicht ehrlich antworten. Seid lieber selbstbewusst und erzählt dem Personaler, dass ihr euch darauf freut, euch heute persönlich bei seiner großartigen Firma vorstellen zu können.

„Schwächen“, „Fehler“ und Ähnliches

Die Frage „Nennen Sie mir Ihre größten Schwächen“ ist in Vorstellungsgesprächen besonders beliebt, und als Bewerber sollte man auf jeden Fall eine Antwort parat haben. Man sollte aber nie ungefragt auf seine Schwachstellen zu sprechen kommen — so sabotiert man nur die eigenen Chancen.

Über die richtige Antwort auf die Frage nach den Schwächen gibt es in jedem Bewerbungsratgeber mindestens einen Absatz. Die kurze Version: Sucht euch Macken und Fehler, die möglichst wenig mit eurem Arbeitsbereich zu tun haben. Und falls das nicht geht oder gezielt nach Fehlern in eurem alten Job gefragt wird, erzählt, wie ihr aus diesen Fehlern gelernt und euch weiterentwickelt habt.

„Ich brauche ...“

Sorry, Generation Y: Was ihr braucht oder wollt, ist beim Bewerbungsgespräch zweitrangig. Es geht hauptsächlich darum, welche Bedürfnisse das Unternehmen hat und was ihr dazu beitragen könnt, diese zu erfüllen. Wer zu viel über seine Anliegen spricht, gilt bei Personalverantwortlichen laut Kerr schnell als schwierig.

Außerdem solltet ihr auch auf keinen Fall sagen, dass ihr diese Stelle braucht. Egal, wie wahr das sein mag. Denn was der Personalverantwortliche aus so einem Satz heraushört, ist pure Verzweiflung und nicht, dass ihr euch für die Firma besonders stark ins Zeug legen werdet.

„Es tut mir leid“, „Entschuldigung“ und „Sorry“

Viele Menschen, vor allem Frauen, neigen dazu, sich für alles Mögliche zu entschuldigen — egal ob es überhaupt etwas gibt, wofür man sich wirklich entschuldigen müsste.

„Viele Menschen entschuldigen sich, weil sie glauben, dass sie so höflicher wirken würden“, meint Büro-Experte Kerr. Dabei ist die Wirkung eine ganz andere, besonders wenn man das Wort „Entschuldigung“ inflationär benutzt. Denn dann wirkt man eher passiv oder unentschlossen — und zeigt so mangelndes Selbstvertrauen.

„Vergünstigungen“, „Zusatzleistungen“ und Ähnliches

Viele Firmen bieten mittlerweile kleine Goodies für ihre Mitarbeiter an, etwa ein wöchentliches Firmengrillen, Rabatte in bestimmten Online-Shops oder kostenlose Snacks und Getränke. Das ist toll, sollte aber nicht als Grund dafür herüberkommen, sich bei einer Firma zu bewerben. Tatsächlich sollte es sogar sehr viele deutlich wichtigere Gründe geben, und über die solltet ihr beim Vorstellungsgespräch reden. Sonst wirkt ihr, also ob ihr die Gimmicks einstecken wolltet, ohne sie euch zu erarbeiten.

„Schrecklich“, „furchtbar“, „grauenhaft“ und Ähnliches

Versucht, beim Vorstellungsgespräch eine positive Atmosphäre zu verbreiten und vermeidet daher alle Ausdrücke, die negative Gefühle mit sich bringen.

Auch wenn der Personalverantwortliche fragt, was euch in eurem aktuellen Job nicht gefällt, solltet ihr sachlich bleiben und nicht in emotionale, negative Sprache abgleiten, Selbst, wenn an eurem aktuellen Arbeitsplatz tatsächlich alles furchtbar ist.

„Ich hasse ...“

Für diesen Satz gilt im Prinzip das gleiche wie auch für die negativen Ausdrücke aus dem vorherigen Punkt. Nur ist der Satz „Ich hasse meinen aktuellen Arbeitgeber“ noch einmal um einiges schlimmer. Denn wenn ihr so über euren aktuellen oder früheren Arbeitgeber sprecht, werdet ihr das irgendwann wahrscheinlich auch über die Firma tun, bei der ihr euch gerade bewerbt. Und das will natürlich kein Arbeitgeber.

Schimpfwörter und Flüche

Dafür braucht man keine Beispiele, jeder kennt genug. Und jeder weiß auch, dass sie in einem professionellen Umfeld, wie zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch, nichts zu suchen haben.

Das Gleiche gilt auch für Wörter, die ausschließlich im Sprachgebrauch bestimmter Gruppen vorkommen, zum Beispiel im Jugendslang. Privat kann man so viel checken, geil finden oder sich über Vollhonks ärgern, wie man will, beim Bewerbungsgespräch haben diese Ausdrücke aber nichts zu suchen.

„Gehalt“, „Lohn“, „Bezahlung“, „Bonus“ und ähnliches

Das Thema „Gehalt“ ist beim ersten Vorstellungsgespräch tabu. Denn Personalverantwortliche wollen hier zunächst herausfinden, ob ihr überhaupt in die Firma passt.

„Wer sich zu stark auf das Finanzielle konzentriert, fällt schnell unangenehm auf. Der Personaler denkt dann, dass ihr euch nur wegen des Geldes beworben hat“, sagt Arbeitsplatzexperte Kerr. „Arbeitgeber suchen aber nach Mitarbeitern, die ihre Ziele und Werte teilen.“

Wenn der Personalverantwortliche von selbst das Thema anspricht, ist es in Ordnung über seine Gehaltsvorstellungen zu sprechen. Meist wird das aber eher in einem späteren Gespräch zum Thema, wenn ihr bereits ernsthaft für die Stelle in Betracht gezogen werdet.

„Ähm“, „so“, „eben“ und andere Füllwörter

Füllwörter helfen unserem Gehirn dabei, sich ein wenig Zeit zum Nachdenken zu erkaufen. Gegen ein gelegentliches „Ähm“ ist daher nichts einzwenden. Nutzt man es aber nach jedem dritten Wort — wenn auch unbewusst — dann geht man seinem Gegenüber schnell auf die Nerven. Ein fataler Fehler.

Auch andere unnötige Füllwörter solltet ihr meiden. Statt „Ich war so fünf Jahre in der Marketingabteilung von XY“ oder „Ich stand im ständigen Austausch mit unseren Kunden, im Telefonsupport eben“ sagt einfach „Ich habe fünf Jahre in der Marketingabteilung von XY gearbeitet“ und „In meiner Stelle als Leiter der Support-Abteilung stand ich in ständigem Kontakt mit unseren Kunden“, und ihr wirkt gleich viel professioneller.

„Geschieden“, „schwanger“, „krank“ und Ähnliches

Das Privatleben ist tabu. Das sollte eigentlich auch der Personalverantwortliche wissen und euch nicht danach fragen. Wenn er es doch tut, solltet ihr die Frage höflich und knapp beantworten. Eure Antwort muss nicht einmal der Wahrheit entsprechen.

Auf keinen Fall solltet ihr aber private Themen selbst auf den Tisch bringen. Denn wenn ihr über schwierige Situationen in eurem Privatleben sprecht, wird sich der Personalverantwortliche wahrscheinlich Gedanken darüber machen, ob das eure Arbeit negativ beeinflussen wird.

„Nur“

Wenn ihr „nur“ als Füllwort verwendet, macht ihr eure Leistung damit automatisch kleiner, als sie eigentlich ist. „Ich war für vier Mitarbeiter verantwortlich“ klingt viel selbstbewusster als „Ich war nur für vier Mitarbeiter verantwortlich“. Und gerade bei einem Vorstellungsgespräch solltet ihr zwar nicht übermäßig angeben, euer Licht aber auch nicht unter den Scheffel stellen.

 „Eigentlich“

Ein anderes schönes Wort, das man eigentlich vermeiden kann, ist „eigentlich“. Vor allem wenn es am Satzanfang von Aussagen steht, wie „Eigentlich war das nicht ganz meine Aufgabe“. Denn damit wird dem Gegenüber unterstellt, dass er etwas nicht richtig verstanden hat. Ist der Gegenüber besonders schlecht gelaunt, könnte er es sogar so auffassen, dass ihr ihn für dumm haltet.

Auch wenn ein Personaler mit einer Aussage oder Annahme über euch tatsächlich falsch lag, versucht die Antwort etwas anders und eher positiv zu formulieren.

„Urlaub“

Die Frage nach der Anzahl der Urlaubstage dürfte für einige Bewerber neben der Frage nach dem Gehalt zu den wichtigsten Punkten bei einer neuen Stelle gehören. Aber wie das Gehalt sollten auch die Urlaubstage nicht beim ersten Vorstellungsgespräch angesprochen werden.

Wer möglichst wenig arbeiten und dabei noch gut verdienen will, schaut sich lieber direkt nach einem entsprechenden Job um, anstatt beim Personalchef mit der Frage nach dem Urlaub unangenehm aufzufallen.


Quelle: http://www.businessinsider.de/29-dinge-im-bewerbungsgespraech-vermeiden von Jacquelyn Smith und Carolin Ludwig vom 20.11.2015