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Dienstag, 28. Februar 2017

Bewerbungsanschreiben – Tipps für den ersten Satz

Ihre Bewerbung steht und fällt mit dem Anschreiben!

Hier wecken Sie Interesse, hier heben Sie sich von anderen Bewerbern positiv ab. Hier entsteht der sprichwörtliche erste Eindruck, für den es keine zweite Chance gibt. Entsprechend übersichtlich, relevant und prägnant muss das Bewerbungsschreiben sein (und frei von Grammatik- und Rechtschreibfehlern).
Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das Profil des Bewerbers schärft, spiegelt das Bewerbungsschreiben seine Motivation.

Wichtig hierbei: Wiederholen Sie dort nicht die Höhepunkte Ihrer Biografie oder das, was im Lebenslauf steht. Das wäre redundant und verschwendet nur die Zeit des Personalers. Zeigen Sie dem Adressaten vielmehr klar und deutlich, warum Sie sich auf die Stelle bewerben und warum Sie der oder die Beste sind, die er dafür bekommen kann. Kondensieren Sie Ihre Leistungen, Erfahrungen und Erfolge zu einem flammenden Plädoyer für sich selbst. Idealerweise gleich mit dem ersten Satz.

Bloß kein Blabla in der Einleitung!

Wer schon zahlreiche Bewerbungen gelesen hat, weiß: Die meisten Bewerber beginnen mit erstaunlich langweiligen, sinnlosen und überdies bürokratisch klingenden Desinformationen. Es sind Standardsätze, wie sie aus jeder Phrasendreschmaschine kommen könnten und Personaler daher sofort ins Wachkoma befördern. Beispiel gefällig? Bitteschön:

Sehr geehrte Damen und Herren

Damit geht es schon los! Keine persönliche Anrede. Nur eine neutrale Floskel. Dabei reichen in der Regel schon wenige Klicks auf der Karriereseite des Unternehmens oder eine Nachfrage auf der Fanpage, um den Namen des Adressaten zu ermitteln. Anrufen ist dazu übrigens auch erlaubt – es zeigt ja Ihr Interesse und das Bemühen um einen persönlichen Kontakt.

mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige in der Soundso Zeitung vom 1.9.2011 gelesen und möchte mich hiermit für die ausgeschriebene Stelle als Superklasseaccountmanager bewerben. Über Ihr Unternehmen, das Berufsbild und die von Ihnen gestellten Anforderungen habe ich mich gründlich informiert und bin sicher, dass ich diese in vollem Umfang erfülle. Zurzeit schreibe ich noch an meiner Bachelor-Arbeit, werde diese aber im laufenden Monat abschließen, sodass ich zu dem von Ihnen genannten Termin die Stelle antreten könnte

Nicht prickelnd, klingt aber auch nicht ganz verkehrt. Denkste!

Schon der erste Satz enthält eine Nicht-Information und reine Worthülsen. Natürlich hat der Bewerber die Stellenanzeige mit großem Intesse gelesen – er sucht ja ganz offensichtlich einen Job und auf diesen bewirbt er sich sogar! Davon abgesehen, dass fast jedes zweite Anschreiben so beginnt und die Einleitung daher völlig abgenutzt ist, ist auch der Hinweis darauf, wo man das Stellenangebot gefunden hat, völlig deplatziert. Der gehört allenfalls in den Betreff des Anschreibens, ganz sicher aber nicht in den ersten Satz. Wo er Stellenanzeigen geschaltet hat, weiß der Personaler schon. Jetzt will er aber erst mal etwas über Sie erfahren.

Auch der zweite Satz macht es nicht besser. Dass sich ein Kandidat über das Zielunternehmen informiert, das Berufsbild kennt und auch weiß, welche Anforderungen an ihn gestellt werden, versteht sich von selbst. Auch dass man diese erfüllt. Das Gegenteil wäre die Nachricht – allerdings auch ein sofortiges Aus für die Bewerbung.

Über den dritten Satz lässt sich streiten. Er ist nicht ganz unwichtig, gehört aber auch nicht in die Einleitung eines Bewerbungsanschreibens, sondern allenfalls an den Schluss. Redundant ist es überdies. Was der Bewerber gerade so macht und wann er mit seiner Ausbildung fertig ist, sollte schon aus dem Lebenslauf hervorgehen. Diese Information ist also im Anschreiben verzichtbar.

Überlegen Sie sich also genau, womit Sie Ihr Anschreiben einleiten. Der erste Satz gibt den gesamten Rhythmus der weiteren Absätze vor. Weniger Bürokratensprache, mehr Leidenschaft und Persönlichkeit tun dabei jeder Bewerbung gut. Genau das ist es nämlich, was Personaler dort in erster Linie suchen. Reine Fakten, Daten, Informationen finden sie schon im Lebenslauf.

Und auch wenn Sie jetzt ein Beispiel erwarten, hüten Sie sich trotzdem davor, es abzuschreiben oder zu kopieren. Personalentscheider lesen hier ebenfalls mit. Lassen Sie sich lieber davon inspirieren und finden Sie Ihren eigenen ersten Satz – der ist dann auch gleich noch etwas, worauf Personaler ebenfalls großen Wert legen: authentisch.

Apropos: Wie das aussehen könnte – zum Beispiel so…

Sehr geehrte Frau Mustermann,

ich kann es kaum noch erwarten, die Marketingabteilung Ihres Unternehmens mit meinen praktischen Kenntnissen und Erfahrungen über Viralkampagnen zu bereichern. Sind Ihnen etwa schon die drei erfolgreichsten Einsatzbeispiele von QR-Codes bekannt? Gerne würde ich hierzu…

Auch Sie werden instinktiv spüren: Allein diese ersten beiden Sätze atmen Leidenschaft, Begeisterung, Temperament und Engagement. Egal, ob das Know-how des Bewerbers im Unternehmen tatsächlich noch völlig unbekannt ist – der Typ macht neugierig. Und der Personaler liest weiter…

Quelle: www.karrierebibel.de von Jochen Mai 

Montag, 27. Februar 2017

Diese Stellenanzeigen sind eine Täuschung!

So manche Firma hat scheinbar immer Stellen frei. Woche für Woche erscheinen nacheinander großformatige Anzeigen in allen überregionalen Zeitungen. Selbst wenn die entsprechende Branche am Boden liegt und eine Entlassungswelle die andere jagt. Wie kann das zusammen passen?

Auch wenn es total irre klingt: Es geht so weit, dass es sich bei einigen Stellenanzeigen sogar nur um komplette Täuschungen handelt.
Anzeigen gleich in mehreren überregionalen Tageszeitungen, in denen sich das Unternehmen selbst bejubelt, sind oft Teil einer Imagekampagne. Das kann darauf hinweisen, dass die ausgeschriebenen Stellen gar nicht existieren.

Denn klar ist: Wer Stellen zu besetzen hat, dem kann es nicht schlecht gehen. Und genau das sollen die Fake-Anzeigen verdeutlichen. Ob die ausgeschriebenen Stellen irgendwann besetzt werden, überprüft letztlich niemand.

Größe, Gestaltung, Erscheinungsmedium – 10 Dinge, die Job-Sucher bei Anzeigen stutzig machen sollten:

Wie oft erschienen?
Recherchieren Sie, ob die Stellenanzeige schon mehrfach erschienen ist, womöglich Monate zuvor. Das kann dreierlei bedeuten: Entweder war die Stelle nicht zu besetzen, weil der Arbeitgeber utopische Ansprüche hat. Oder die Top-Bewerber sind beim Anblick eines Irrenhauses abgesprungen. Oder – am wahrscheinlichsten – jemand trat den Job an, wurde aber noch in der Probezeit abserviert. Das kann auf eine ruppige Firmenkultur, auf einen schwierigen Vorgesetzten und auf wenig Geduld bei der Einarbeitung hindeuten.

Größe
Passt die Größe der Anzeige zur Bedeutung der Firma? Große Firmen, die kleine Anzeigen schalten, sind oft vom Geiz zerfressen. Seien Sie sicher, dass eine solche Firma nicht in die Spendierhosen schlüpft, wenn Sie mehr Gehalt wollen oder eine wichtige Investition für die Zukunft ansteht. Dagegen können großformatige Anzeigen unbekannter Firmen auf Hochstapelei und unseriöse Geschäftsmodelle hinweisen.

Erscheinungsmedium
Die Reichweite der Anzeige sagt viel über den Horizont der Firma aus. Eine Firma, die nur im Stadtblättchen inseriert, denkt nicht über die eigene Region hinaus. Das wird beim Geschäftsmodell kaum anders sein. Hier müssen Sie mit starren Strukturen und einer Abwehrhaltung gegenüber neuen Ideen rechnen. Wenn eine Ausschreibung nur auf der Firmen-Homepage steht, kann ein Unternehmen knapp bei Kasse sein. Oder ein Knauserverein. Oder nur schlampig genug, eine schon längst besetzte Stelle nicht aus dem Angebot genommen zu haben.

Stil und Gestaltung
Je steifer der Schreibstil, je konservativer die Aufmachung, desto bürokratischer und verbohrter die Firma. Wenn zum Beispiel die „mangelnde Förmlichkeit der firmeninternen Abwicklungen" gepriesen wird, zählt der hölzerne Stil mehr als der von ihm transportierte Inhalt. Dagegen wäre die Formulierung „Wir arbeiten flott und unbürokratisch“ glaubwürdiger. Achten Sie gezielt auf solche Abweichungen zwischen Form und Inhalt – sie können auf verschleierten Irrsinn hinweisen.

Headhunter sucht
Eine Firma, die über Headhunter sucht, hat gute Gründe dafür. Zum Beispiel: Derjenige, dessen Job neu vergeben wird, weiß noch nichts von seinem Unglück. Oder die Mitarbeiter sollen nicht in Unruhe versetzt werden, weil der x-te Vorgesetzte in kurzer Zeit bei ihnen aufschlagen wird. All das lässt ein Klima der Geheimniskrämerei, starres Hierarchiedenken und mangelnde Wertschätzung der Mitarbeiter befürchten – gerade dann, wenn die ausgeschriebene Position keinen seltenen Spezialisten oder hochrangigen Manager erfordert, sondern auch durch ein Eigeninserat zu besetzen gewesen wäre.

Ansprechpartner
Ist ein Ansprechpartner genannt, mit Mail- und Telefondaten? Werden Sie ausdrücklich eingeladen, sich bei Rückfragen an ihn zu wenden? Falls keine Kontaktperson, ja nicht mal eine Telefonnummer genannt ist, scheint dieses Unternehmen direkte Kommunikation für Zeitverschwendung zu halten – erst recht gegenüber Mitarbeitern, die ihren Arbeitsvertrag schon unterschrieben haben.

Leistungsgerechtes Gehalt
Das Wort „leistungsgerecht“ verwenden Firmen gerne dann, wenn das Gehalt eben nicht gerecht ist, sondern allzu sehr von der Leistung abhängt. Eine solche Formulierung kann der Vorbote eines geringen Grundgehalts, einer Abhängigkeit von Prämie und Provision sein. Solche Firmen rennen blind dem Profit hinterher und führen ihre Mitarbeiter nicht mit reizvollen Tätigkeiten und Zielen, sondern nur mit einem gewedelten Geldschein. Sind die Arbeit und die Firma denn so reizlos?

Flexibilität
Der Wunsch nach „hoher Flexibilität“ – zumal prominent betont – kann ein Hinweis sein, dass es in einer Firma drunter und drüber geht. Pfeift der scharfe Wind einer Restrukturierung durchs Haus? Stehen Fusionen oder Umzüge an? Wird eine Reisetätigkeit von Ihnen verlangt? Oder ständige Ortswechsel? Das klingt nach Stress, nach Zickzack-Kurs und nach nur einer Konstanten: dem Irrsinn.

Teamfähigkeit
Eigentlich selbstverständlich, dass Sie sich als Neue(r) in ein bestehendes Team einfügen. Wenn die Teamfähigkeit auffallend betont wird, kann das zwei versteckte Signale beinhalten: Entweder ist dieses Irrenhaus-Team eine besondere Zumutung und nur mit der Geduld eines Engels auszuhalten. Oder die Aufstiegswege sind so verrammelt, dass Sie auf ewig das Mitglied eines Teams bleiben werden – und keins führen dürfen.

Verantwortung
Wird der Wunsch, dass Sie „Verantwortung im hohen Maße“ übernehmen, wie ein Refrain wiederholt? Obwohl es sich nicht um eine leitende Position handelt? Gut möglich, dass dann Verantwortung auf Sie abgewälzt und Zeitbomben unter Ihren Schreibtisch gerollt werden. Die wahre Tätigkeitsbeschreibung kommt in der Anzeige nicht vor: „Sündenbock“.

Und das ist längst nicht der einzige Haken, auf den Job-Suchende Acht geben müssen. In den Anzeigen überpinseln einige Firmen ganz gezielt ihre Schwächen.

Der Job von Karriereberatern und Coachs ist es, Bewerber auf mögliche Risiken einer Firma hinzuweisen. Deshalb studieren sie die kleinen Symptome des Irrsinns, in dem sie gezielt die Bewerbungsverfahren von Firmen verfolgten. Eine zentrale Frage ist dabei: Welche Sprache verwenden Unternehmen in ihren Inseraten?

Das Fazit klingt nach jahrelanger Recherche verheerend.
Die Gebrüder Grimm wären stolz auf die deutschen Firmen: So viele Märchen wie in Stellenanzeigen werden sonst nirgendwo verbreitet. Dabei tragen aber gerade die unseriösen Vertreter zum Glück so dick auf, dass ein geübtes Auge die Lügen durchschauen kann. Viele Mitarbeiter halten ihre alte Firma für ein Irrenhaus. Dennoch steigen sie wahllos bei einer neuen Firma ein. Das ist so, als würde man vom Löwengehege in den Krokodilsgraben fliehen. Der Firmen-Irrsinn ist wie ein unregelmäßiges Verb: Er lässt sich immer noch steigern.

Quelle: www.bild.de vom 08.03.2011

Freitag, 24. Februar 2017

Worauf muss ich bei meinem Arbeitszeugnis achten?


Der Chef muss Mitarbeitern bei ihrem Ausscheiden im Arbeitszeugnis nicht für die Zusammenarbeit danken. Das entschied am 11.12.2012 das Bundesarbeitsgericht in Erfurt.

Warum brauche ich überhaupt ein Arbeitszeugnis?
Es ist der schriftliche Nachweis über Ihre Tätigkeit und Qualifikation. Sie brauchen diesen dringend, wenn Sie sich für eine neue Stelle bewerben, denn nur so kann ein Arbeitgeber sehen, ob Sie für den neuen Job auch qualifiziert sind. Achten Sie deshalb darauf, dass im Zeugnis genau geschildert ist, was Sie fachlich beherrschen und wie Sie sich in Ihrer Firma entwickelt haben.

Chef muss nicht zum Abschied „Danke“ sagen
Wer seinen Arbeitsplatz wechselt, hat auch in einem guten Zeugnis keinen Anspruch auf ein „Danke“ vom Chef.

Einfaches und qualifiziertes Zeugnis – wo ist der Unterschied?
Das einfache Zeugnis gibt Art und Dauer der Arbeit wieder. Es wird auch „Bescheinigung“ genannt und enthält:

► Art und Dauer der Beschäftigung;
► Eine Beschreibung aller Tätigkeiten und den beruflichen Weg im Unternehmen;
► besondere Befugnisse (z. B. Kontovollmacht für die Firma);
► Sonderaufgaben.

Ein qualifiziertes Zeugnis enthält darüber hinaus Angaben zu Leistung und Verhalten, beschreibt also:

► Körperliches und geistiges Leistungsvermögen
► Fachkenntnisse
► Arbeitsqualität
► Arbeits- und Verantwortungsbereitschaft
► Verhandlungsgeschick, Ausdrucksvermögen, Durchsetzungsfähigkeit und Entscheidungsbereitschaft
► Sozialverhalten

Ein solches qualifiziertes Zeugnis muss der Arbeitnehmer ausdrücklich verlangen.
Wichtig: Ein Zeugnis bezieht sich immer auf die gesamte Beschäftigungszeit. Heißt: Haben Sie fünf Jahre einen super Job gemacht und im letzten halben Jahr nichts mehr getan, müssen Sie damit rechnen, dass dies im Zeugnis auftaucht.

Ein Zwischenzeugnis können Sie immer bekommen, wenn ein „berechtigtes Interesse“ vorliegt. Heißt:

► Eine drohende Kündigung. Das kann vorliegen, wenn im Betrieb Stellen abgebaut werden aber noch nicht feststeht, ob Sie zu den Entlassenen gehören.
► Ein Orts oder Abteilungswechsel.
► Wenn der Vorgesetzte die Abteilung verlässt und ein neuer Chef kommt.
► Wenn eine längere Job-Unterbrechung bevorsteht. Das kann z. B. wegen einer Fort- oder Weiterbildung sein, bei Elternzeit, Wehr- oder Zivildienst.
Das Zwischenzeugnis hat einen wichtigen Vorteil für Arbeitnehmer: Ihr Chef ist bei zukünftigen Zeugnissen daran gebunden. Kommen Sie also mit einem neuen Chef nicht klar, muss der Ihre alten Leistungen am Ende trotzdem berücksichtigen.
Das endgültige Zeugnis kann nach einem guten Zwischenzeugnis nur dann richtig schlecht ausfallen, wenn Sie in der Zeit danach nachweislich sehr schlecht gearbeitet haben.

Der Chef darf auch Ungünstiges wie z. B eine nicht bestandene Prüfung erwähnen.
Warum Sie die Firma verlassen, darf der Chef nur auf Ihren ausdrücklichen Wunsch ins Zeugnis schreiben (z. B. „Herr Schulz verlässt uns, weil er sich selbstständig macht“).

Bekommt jeder Arbeitnehmer ein Zeugnis?
Ja. Dabei ist es egal, wie lange das Arbeitsverhältnis bestand. Das gilt auch für Praktikanten, Saisonkräfte und für alle, die einen Job in der Probezeit verlassen.

Was darf NICHT im Zeugnis stehen?

► Angaben zum Gesundheitszustand
► Arbeitsvertragsbruch oder eine fristlose Kündigung
► Tätigkeiten nach Feierabend

Kann ich ein Zeugnis verlangen, wenn ich die Abteilung wechsle?
Nein, dann können Sie nur ein Zwischenzeugnis fordern. Ausnahme: Ein Azubi wird übernommen. Dann bekommt er ein Zeugnis für die Ausbildung und ein zweites für die spätere Tätigkeit.

Zeugnisformulierungen: Was der Chef schreibt – und was er meint

Chef schreibt: „Er/Sie hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen.“
Chef meint: eine durchweg sehr gute Leistung!

Chef schreibt: „Er/Sie hat sich bemüht, die übertragene Arbeit zu unserer Zufriedenheit zu erledigen, führte die übertragene Aufgabe mit großem Fleiß und Interesse durch.“
Chef meint: völlig ungenügende Leistungen („bemüht“ heißt nicht „geschafft“).

Chef schreibt: „Er trat sowohl innerhalb wie auch außerhalb unseres Unternehmens engagiert für die Interessen der Kollegen ein.“
Chef meint: War in der Gewerkschaft aktiv, möglicherweise eine Nervensäge, der die Mitarbeiter gegen Chefs aufhetzt.

Chef schreibt: „Er ist immer gut mit seinen Vorgesetzten ausgekommen.“
Chef meint: Hat sich um jeden Preis angepasst.

Chef schreibt: „Er war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.“
Chef meint: Der Mitarbeiter war ein notorischer Rechthaber, der Kollegen und Vorgesetzten auf die Nerven ging.

Wie schnell bekomme ich mein Zeugnis?
Der Arbeitgeber schuldet das Zeugnis „bei Beendigung“. Das heißt: Sie sollten es vor Ihrem letzten Arbeitstag erhalten, z. B. kurz nach Ausspruch der fristgerechten Kündigung oder wenn ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde. Ist der Arbeitsvertrag befristet, sollte das Zeugnis vor Ablauf der Frist fertig sein. Sie brauchen das Zeugnis für neue Bewerbungen.

Der Chef schreibt mir kein oder ein schlechtes Zeugnis – was tun?
Im Streitfall hilft nur eine Klage. Hat der Chef gar kein Zeugnis geschrieben, können Sie auf eines klagen. Dabei dürfen Sie dem Chef aber keine Formulierungen vorschreiben. Ist man mit einem Teil des Inhalts nicht einverstanden, muss man vor Gericht begründet gegen einzelne Formulierungen vorgehen.

Fachliche Beratung: Dr. Martin Römermann, Fachanwalt für Arbeitsrecht (SKW Schwarz Rechtsanwälte, Berlin)

Quelle: www.bild.de 12.12.2012 von E. STEINBRECHER und S. SELONKE

Donnerstag, 23. Februar 2017

Richtig suchen mit Online-Stellenbörsen

Job gesucht? Dann kommen Sie um Jobbörsen im Internet nicht mehr herum. 

71 Prozent der Unternehmen veröffentlichen Stellenanzeigen online, geht aus einer Umfrage des IT-Verbandes Bitkom hervor. Teils finden sich aber auf unterschiedlichen Seiten die gleichen Inhalte oder Anzeigen, und längst nicht alle Angebote sind kostenfrei. Wie man richtig sucht, verraten wir hier.

Tipp 1: Ziele fixieren

Fragen Sie sich selbst: „Was ist mein Arbeitsmarktprofil, und wo genau will ich hin?”. Je klarer das eigene Profil, desto einfacher wird auch die Orientierung auf den Portalen. Wer etwa im kaufmännischen Bereich arbeiten will, wird etliche Einträge in den Jobbörsen der Bundesarbeitsagentur (BA) oder der Industrie- und Handelskammern (IHK) finden. Deshalb besser den Berufswunsch präzisieren. Viel leichter ist nämlich die Suche nach konkreten Berufen.

Tipp 2: Nach unterschiedlichen Berufsbezeichnungen suchen

Die Stelle eines Finanzbuchhalters kann als Controller oder auch als Spezialist für das Rechnungswesen ausgeschrieben sein. Wer den Key-Account-Manager nicht gleich findet, kann alternativ nach Stichwörtern wie Großkundenbetreuer oder Vertriebsleiter suchen. Von Anfang an klar sein sollte auch, ob man nach Teil- oder Vollzeitjob sucht und wie weit der Arbeitsplatz vom Wohnort entfernt sein darf.

In Berufsfeldern wie Technik, Medien oder Gesundheit empfiehlt sich eine Suche über Fach- und Branchenportale, also spezielle Stellenmärkte für einzelne Berufsgruppen. Auch in sozialen Netzwerken kann man fündig werden. Daneben helfen Metasuchmaschinen wie www.jobworld.de, www.jobrobot.de oder www.jobrapido.de: Sie scannen den Inhalt diverser Jobbörsen und bieten bei der Recherche eine gute Marktübersicht.

Tipp 3: Regional suchen

Nicht in jedem Fall finden sich in den Ergebnissen der Metasuchmaschinen auch die Stellenanzeigen der kleineren Portale. Sehr wichtig ist die regionale Suche nach Arbeitssplätzen. Spezielle Datenbanken halten etwa die Handwerks- sowie die Industrie- und Handelskammern bereit.

Tipp 4: Nicht verheddern

Die Suche auf Karriereportalen wie www.jobware.de, www.experteer.de oder www.stellenmarkt.de macht für ungelernte Arbeitsuchende eher wenig Sinn. Die Seiten wenden sich in der Regel an ausgebildete Fach- und Führungskräfte mit Berufserfahrung.

Tipp 5: Zusatzinformationen nutzen

Mehr als die reine Suche nach Stellenanzeigen bieten Börsen wie www.monster.de, www.stepstone.de oder www.jobscout24.de. Hier finden Interessenten auch umfangreiche Informationen zum Thema Bewerbung und Karriere. Teils sind auch Informationen zu Berufsbildern abrufbar. Diese kostenlosen Angebote können Bewerber nutzen, um ihre Chancen bei der Jobsuche zu erhöhen. Suchanfragen lassen sich meist speichern. „Treffen passende Stellenanzeigen ein, werden Abonnenten per SMS oder E-Mail benachrichtigt.” Viele Jobbörsen bieten eine virtuelle Bewerbungsmappe an. Nutzer können Grunddaten, Lebenslauf und Zeugnisse hochladen und bei Bedarf aktualisieren. Das steigert die Chancen, von potenziellen Arbeitgebern gefunden zu werden.

Tipp 6: Mehrgleisig surfen

Ideal ist es, mehrere Jobbörsen gleichzeitig zu nutzen. Aber: Teilweise überschneidet sich das Angebot. Der Katalog der BA wird zum Beispiel auch in www.jobfinder.de oder www.jobs.meinestadt.de eingespeist. Anbieter wie Stepstone oder Monster kooperieren mit hunderten Webseiten. Achtung: Auch manche Börsen fahren zweigleisig und bieten neben der kostenlosen Registrierung einen kostenpflichtigen Account an. Wer nicht zahlt, bekommt zum Beispiel bestimmte Anzeigen erst später oder gar nicht zu Gesicht.

Quelle: www.bild.de vom 16.04.2011

Mittwoch, 22. Februar 2017

Acht Fehler, mit denen Sie jede Bewerbung verhauen

Fehler im Anschreiben und in zerknitterten Klamotten zum Vorstellungsgespräch gehen, damit werden Sie garantiert aus der Kandidatenliste gestrichen. Und außer diesen offensichtlichen Schnitzern kommen noch versteckte Fußangeln. Wie Sie Ihr Vorstellungsgespräch richtig verbocken können, erklärt Jürgen Hesse vom Berliner Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader.

1. Forderungen im Anschreiben
Welche Vorteile Sie von dem Job erwarten, hat im Anschreiben nichts zu suchen. Solche Aussagen gehören ans Ende des Vorstellungsgesprächs. Im Anschreiben sollten Sie nur erklären, was Sie für das Unternehmen leisten können.

2. Lügen im Lebenslauf
Den Lebenslauf aufhübschen ist gefährlich. Schon kleine Schummeleien können noch Jahre später die fristlose Kündigung bedeuten. Lügen sind nur im Vorstellungsgespräch in Ordnung, wenn der Arbeitgeber unerlaubte Fragen stellt. Zum Beispiel nach Krankheiten oder Schwangerschaft.

3. Netzwerk-Profile nicht prüfen
Checken Sie, bevor Sie die Bewerbung abschicken, ob private Bilder und Infos in sozialen Netzwerken für den künftigen Chef sichtbar sind. Googeln Sie Ihren Namen, schauen Sie sich die Treffer genau an, damit Sie auf ­eventuelle Fragen ­vorbereitet sind.

4. Smalltalk abwürgen
Small Talk ist wie Aufwärmen vor dem Sport; ohne drohen Verletzungen. Das unverbindliche Geplänkel soll eine Brücke zwischen Ihnen und dem Personaler bauen und dafür sorgen, dass sich beide wohlfühlen. Am besten loben Sie, wie gut die Sekretärin den Weg beschrieben hat. Meckereien, selbst kleine und egal über was, sind absolut tabu! Das macht nur schlechte Stimmung.

5. Nicht vorbereiten
Ein Bankräuber macht sich auch einen Plan, bevor er loslegt. Bereiten Sie sich also gezielt auf Ihr Gegenüber vor. Was macht das Unternehmen? Was wird meine Aufgabe sein und welche Position hat die Person, mit der Sie das Bewerbungsgespräch führen werden. Außerdem müssen Sie sich die Adam-und-Eva-Frage beantworten: Warum bewerbe ich mich und warum sollte das Unternehmen mich nehmen?

6. Selbstverständlichkeiten betonen
Erwähnen Sie auf keinen Fall, was ohnehin klar ist. Dass Sie mit dem Internet und Office-Programmen umgehen können und „großes Interesse“ an dem neuen Job haben, hat im Vorstellungsgespräch nichts zu suchen.

7. Über etwaige Kollegen schimpfen
Sprechen Sie im Bewerbungsgespräch nie (!) negativ über ehemalige Vorgesetzte, Kollegen oder Arbeitsplatzbedingungen.

8. Zu bescheiden sein
Sie sind kein Bittsteller, sondern ein Problemlöser. Zeigen Sie Selbstvertrauen und Begeisterung für den Job. Der Chef will kein Mäuschen, sondern einen Mitarbeiter, der sich realistisch einschätzen kann. Sagen Sie konkret: Was Ihr früherer Chef, Ihre Kollegen und Kunden an Ihnen geschätzt haben und auf welche beruflichen Erfolge Sie stolz sind.

Quelle: www.bild.de vom 05.08.2012

Dienstag, 21. Februar 2017

HARTZ IV Elf Urteile ... und Klagen

Die stillende Mutter wollte mehr Geld, weil sie in den ersten vier Monaten nach der Geburt des Kindes einen um 635 kcal erhöhten Energiebedarf hätte. Das Hessische Landessozialgericht lehnte ab. Zwar steht arbeitslosen Schwangeren wegen eines erhöhten „Mehrbedarfs" ein Zuschlag zum Arbeitslosengeld II zu, nicht jedoch nach der Niederkunft als stillende Mutter. Der schwangerschaftsbedingte Mehrbedarf, mit dem die besonderen Kosten für Ernährung, Reinigung der Wäsche, vermehrte Kosten für Körperpflege, Fahrkosten und Informationsbedarf abgedeckt werden sollen, sei gerechtfertigt. Ein Mehrbedarf wegen kostenaufwändiger Ernährung betreffe nur Hilfebedürftige, die sie aus medizinischen Gründen bedürften.
Krankheitsbedingte Gründe würden aber bei einer stillenden Mutter nicht zu der teureren Ernährung führen. (Hessisches LSG, L 6 AS 337/12)

Hartz IV: Wer aus dem Knast kommt, darf sich neu einkleiden

Nach seiner Entlassung aus der Haft hat ein Arbeitsloser neben der Zahlung der Regelleistung Anspruch auf eine Erstausstattung an Kleidung, wenn seine Wohnung zwischenzeitlich einschließlich der meisten Kleidungsstücke geräumt worden war.
Fehlt es zum Beispiel an Leibwäsche, einem Schlafanzug und Strümpfen, so darf das Jobcenter nicht darauf verweisen, sich solche Wäsche „peu à peu aus dem Regelsatz" (von monatlich 382 Euro) zu beschaffen. Dies gilt unabhängig davon, ob der Ex-Strafhäftling möglicherweise Schuld an dem Verschwinden seiner vorherigen Kleidung gehabt habe. Auch wenn er den Antrag auf Neuanschaffung erst neun Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis beantragt, steht ihm der Betrag noch zu. Die Sicherung der grundlegenden Lebensbedürfnisse kann dem Betroffenen nicht wegen eines etwaigen Verschuldens an seiner Notsituation vorenthalten werden". (SG Chemnitz, S 29 AS 3229/12 ER)

Sozialrecht: Das Jobcenter lehnt „kurzfristige" Reisebuchung für 6338 Euro ab
Ein Rechtsanwalt arbeitete seit einigen Jahren in Deutschland und wollte seine in Australien lebende Frau und Kinder besuchen. Da er Hartz-IV-Empfänger war, verlangte er von dem Jobcenter die Übernahme der Reisekosten, die ihm auch grundsätzlich bewilligt wurden. Nachdem er mit zwei Kostenvoranschlägen nicht hatte durchdringen können, verklagte er das Jobcenter auf Zahlung von 6338 Euro.
Das Sozialgericht Berlin erkannte zwar den grundsätzlichen Anspruch auf die Reise nach Australien an, die Erstattung der vom Mann geforderten Summe lehnte es jedoch ab. So bestehe keine Pflicht zur Kostenübernahme, wenn die Reisekosten aufgrund der kurzfristigen Planung besonders hoch seien. Auch müsse die Reise nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt werden, da die Familie bereits seit zwei Jahren getrennt lebe. (SG Berlin, S 201 AS 19424/13 ER)

Ortsabwesenheit

Verlässt eine alleinerziehende Mutter eines einjährigen Kindes ihren Wohnort, ohne sich zuvor mit dem Jobcenter in Verbindung gesetzt zu haben, so darf ihr diese „Ortsabwesenheit" nicht zum Nachteil gereichen. Denn sie braucht gar kein Arbeitsangebot anzunehmen. Deshalb bestehe auch kein Grund, „die Handlungsfreiheit der Hilfebedürftigen zu begrenzen". (LSG Berlin-Brandenburg, L 34 AS 1030/11)

Hartz IV: Fürs Cello in der Schule gibt es keine „Teilhabeleistung"

Benötigt ein Schüler, der mit seinen Eltern Hartz-IV-Leistungen bezieht, für seine musischen Aktivitäten in der Schule ein Cello, so hat er keinen Anspruch darauf, dass das Jobcenter ihm die dafür anfallende „Leihgebühr" (gemeint: Mietgebühr) als „Teilhabeleistung" nach dem Arbeitsförderungsgesetz ersetzt. Diese Leistung steht grundsätzlich nur „für Bedarfe auf Grund außerschulischer Aktivitäten im Teilhabebereich" zu, nicht für ausschließlich schulische Zwecke. (BSG, B 4 AS 12/13)

Hartz IV: „Kaputter Drucker" ist kein Grund, keine Bewerbungen zu schreiben

Auch Bezieher von Arbeitslosengeld II müssen sich regelmäßig um eine Stelle bewerben – je nach Eingliederungsvereinbarung vier- bis zehnmal pro Monat.
Damit darf auch dann nicht längere Zeit ausgesetzt werden, wenn der eigene Drucker seinen Geist aufgegeben hat. Das Jobcenter darf sonst eine Senkung des Arbeitslosengeld-II-Regelsatzes vornehmen (hier geschehen für 3 Monate in Höhe von 10 Prozent). Bewerbungen können auch handschriftlich, telefonisch, mündlich oder per E-Mail vorgenommen werden. (SG Stuttgart, S 14 AS 738/12)

Hartz IV: Wer das Jobcenter austricksen will, hat sich am Ende selbst ausgetrickst...

Hat ein Jobcenter für einen Langzeitarbeitslosen bereits einmal für die Begleichung seiner Stromschulden ein Darlehen gewährt, so darf daraus kein „Dauerzustand" werden. Das aber wollte offenbar der bereits seit drei Jahren von „Hartz IV" lebende Mann. Denn nachdem das Jobcenter die Abschlagszahlungen an den Stromlieferanten selbst übernommen hatte, wechselte der Arbeitslose mehrfach den Anbieter, um dann erneut – durch Nichtbeachtung der Abschlagszahlungstermine – Schulden aufzuhäufen. Das Jobcenter blieb diesmal hart – und auch das Gericht half dem Trickser nicht weiter. Der Arbeitslose habe sich in das Dilemma durch missbräuchliches Verhalten selbst hineinmanövriert – und müsse das nun selbst ausbaden. (SG Stuttgart, S 15 AS 2104/13 ER)

Hartz IV: Auch im Knast besteht mit der bedürftigen Familie zu Hause eine „Bedarfsgemeinschaft"

Ein Strafgefangener bildet mit seiner Frau und seinen Kindern trotz seiner Inhaftierung eine „Bedarfsgemeinschaft". Das ihm am Entlassungstag aus dem Gefängnis gezahlte Überbrückungsgeld (hier in Höhe von 2734 Euro) hat er für den Lebensunterhalt seiner Familie als Einkommen zu verwenden – bei entsprechender Reduzierung seines Arbeitslosengeldes II. (BSG, B 14 AS 78/12 R)

Hartz IV: Wer nach 22 Uhr nicht mehr zu Fuß nach Hause gehen möchte, muss sich einschränken

Jobcenter können Beziehern von Arbeitslosengeld II die Leistungen kürzen, wenn diese nicht bereit sind, eine angebotene Stelle (hier in einer Wäscherei) anzunehmen, bei der sie auch erst nach 22 Uhr Feierabend haben und sie sich fürchten, um diese späte Stunde noch zu Fuß nach Hause zu gehen. Dies braucht dann nicht als Argument anerkannt zu werden, wenn die (hier 2,7 km lange) Wegstrecke zur eigenen Wohnung gut beleuchtet und weitgehend von Geschäften gesäumt ist. (Hier gab die arbeitslose Frau an, weder über ein Auto noch über ein Fahrrad zu verfügen, und Busse seien nach 20 Uhr nicht mehr im Einsatz.
Das Jobcenter empfahl ihr, mit Kolleginnen oder Kollegen den Heimweg gemeinsam anzutreten oder sich einer Fahrgemeinschaft anzuschließen.) (SG Mainz, S 10 AS  1221/11)

Hartz IV: Wenn das Kind „aus dem Bett herauswächst", bezahlt das Jobcenter ein neues

Wird das Gitterbett eines Kleinkindes zu klein, so hat das Jobcenter seiner Mama ein neues Kinderbett zu finanzieren. Sozial- wie auch Landessozialgericht hatten den Antrag abgelehnt, weil ja im Haushalt ein Kinderbett „vorhanden" sei, und die Neuanschaffung aus dem Hartz-IV-Regelsatz zu finanzieren sei. Das Bundessozialgericht folgte dem nicht: Bei dem „Jugendbett" handele es sich um eine „Erstanschaffung", für die der Regelsatz nicht herhalten müsse. (Allerdings wurde das Verfahren an die Vorinstanz zurückverwiesen, die nun noch prüfen muss, ob das von der Mutter inzwischen für 272 Euro angeschaffte Bett preislich "angemessen" war.) (BSG, B 4 AS 79/12 R)

Hartz IV/Verfahrensrecht: Für 1,80 Euro Mahngebühren braucht kein Anwalt zu kämpfen

Will ein Bezieher von Hartz-IV-Leistungen gegen einen Bescheid des Jobcenters angehen, so kann er zwar einen Anwalt dafür einschalten. Die dafür angefallenen Kosten werden ihm aber nur dann ersetzt, wenn es „notwendig" war, sich professionell beraten zu lassen. Ist das nicht der Fall gewesen, weil die Angelegenheit keine besonderen Schwierigkeiten aufwies, so bleibt der klagende Leistungsbezieher auf den Kosten für den Rechtsbeistand sitzen. (Hier kam das Sozialgericht Nordhausen zu diesem Ergebnis, weil es sich um einen Facharbeiter handele, der gut in der Lage gewesen sei, sich selbst zu vertreten. Hinzu kam, dass nur um 1,80 Euro (!) gestritten wurde, die als Mahngebühren berechnet worden waren. Und schließlich fand das Gericht es als befremdlich, dass der Anwalt gleich mehrere Verfahren in vergleichbar nichtigen Fällen (es ging jeweils um angeblich fehlerhaft vorgenommene Betragsrundungen) angestrengt hatte, was darauf schließen lasse, dass er an sich nichts anderes geplant hatte, als Gebühren zu schinden.) (SG Nordhausen, S 12 AS 149/12)

Hartz IV: Auch ein „wohnlich gemachter" VW-Bus ist keine „Wohnung"


Ein Jobcenter muss für einen Langzeitarbeitslosen, der ohne festen Wohnsitz in einem VW-Bus mit Anhänger „wohnt", in dem er auf einer Matratze schläft und auch seine sonstige Habe untergebracht hat, neben dem Hartz-IV-Regelsatz von 384 Euro monatlich keine „Unterkunftskosten" bezahlen. (Hier von dem Mann gefordert für „verschiedene Fahrzeug-Ersatzteile, die Kraftfahrzeugsteuer und eine Pauschale für die Heizung mittels Heizstrahler". Begründung: Anders als bei einem Wohnmobil, das bereits höchstrichterlich als „Unterkunft“ anerkannt worden ist, stelle der umgebaute Pkw eine solche Unterkunft nicht dar, weil „eine Privatsphäre darin nicht gewährleistet“ sei. (LSG Rheinland-Pfalz, L 3 AS 69/13 B ER)

Quelle Bild.de 

Montag, 20. Februar 2017

Soziale Kompetenz: So beweisen Sie diese

Kaum ein Begriff ist so sehr aufgeladen wie der der sozialen Kompetenz. Dahinter verbergen sich oft positive Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Motivation oder Kommunikationsstärke. Und nicht selten wird soziale Kompetenz von Personalern gar als maßgebliches Einstellungskriterium genannt. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung machen sogenannte Soft Skills, und damit eben auch die Sozialkompetenz, rund 40 Prozent des beruflichen Erfolgs aus: Wir arbeiten nun mal nicht alleine... Doch was ist dran an der gefragten Fähigkeit und was zeichnet sie wirklich aus?

Definition: Was ist Soziale Kompetenz überhaupt?

Die vielbeschworene Eigenschaft zählt zu den sogenannten Social Skills oder auch Soft Skills. Ihr Vorhandensein ist also im Gegensatz zu einer harten Qualifikation weder durch ein Abschluss oder durch ein Zertifikat messbar. Vielmehr offenbart sich die Sozialkompetenz meist erst im Miteinander.
Als Definition des Begriffs wird häufig die Fähigkeit genannt, die eigenen Handlungsziele mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe überein zu bringen - und damit auch ein Stück weit das Verhalten und die Einstellungen dieser Gruppe zu beeinflussen. Deshalb wird die soziale Kompetenz gerne auch mit der sozialen Intelligenz und sozialen Empathie gleichgesetzt. Wer sie besitzt, ist in der Lage, bei allen sozialen Interaktionen gegenüber anderen situationsangemessen und klug zu agieren. Kurz: So jemand eckt seltener an und wirkt verbindlich - im doppelten Wortsinn.
Merkmale sozialer Kompetenz sind meist aber auch Eigenschaften, wie:

·         Verlässlichkeit
·         Glaubwürdigkeit
·         Einfühlungsvermögen
·         Toleranz
·         Belastbarkeit
·         Frustrationstoleranz
·         Kritikfähigkeit
·         Lernbereitschaft
·         Durchsetzungsstärke
Gerade der letzte Punkt verdient allerdings ein wenig mehr Aufmerksamkeit, scheint er doch mit dem Rest im Widerspruch zu stehen: Wer sich durchsetzt, wirkt auf die meisten nämlich so gar nicht sozial kompetent... eher herrisch, dominant bis arrogant. Ein Fehler!
Zwar ist der Begriff der Sozialkompetenz zwar fast ausschließlich positiv besetzt, was für viele - gefühlt - soziale Interationen wie hitzige Debatten, Argumentationen und Streit irgendwie ausschließt. Tatsächlich aber gehören auch Auseinandersetzungen regelmäßig zum Zusammenleben dazu, mehr noch: Im Berufsalltag sind sie geradezu unumgänglich, um aus einer Vielzahl an Vorschlägen und Ideen die beste Lösung zu destillieren.
Wahrhaft sozial kompetente Menschen müssen daher über die (seltene) Gabe verfügen, zwei auf den ersten Blick gegensätzliche Verhaltensweisen situativ zu kombinieren und so einzusetzen, dass es ihnen möglich wird, eigene Ziele innerhalb sozialer Beziehungen zu erreichen, ohne die Beziehung selbst zu gefährden. Oder anders formuliert: Sozialkompetenz umfasst zwei grundlegende Fertigkeiten...
·         Das Talent zur Kooperation
·         Die konstruktive Konfliktfähigkeit

Mannschaftssportler sind nicht automatisch teamfähiger

Macht Teamsport wirklich teamfähig? Immer wieder schmücken Bewerber ihren Lebenslauf mit dem subtilen Hinweis, dass sie im Verein Fußball, Volleyball, Basketball spielen oder einem anderen Mannschaftssport nachgehen. Der Subtext: Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern rackere fürs Team, kann mich einfügen und bin obendrein gesellig. Teamsport als Nachweis für soziale Kompetenz - doch das ist ein Irrtum. Ein großer sogar.
Wer Mannschaftssport betreibt, besitzt nicht automatisch eine höhere soziale Kompetenz. Das ist das Ergebnis einer Studie der Hochschule Osnabrück, die damit ein typisches Credo der Personalauswahl entkräftet. Der Studienautor und Experte für Diagnostik und Personalauswahl Professor Uwe Kanning stellt darin fest: Einen Zusammenhang zwischen sozialer Kompetenz und sportlichem Engagement gibt es nicht: "Im Lebenslauf wird die Angabe, sportlich aktiv zu sein, von vielen Arbeitgebern gern gesehen und gilt als Indikator für soziale Kompetenz. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass Mannschaftssportler teamfähiger sind als Einzelsportler."

MANNSCHAFT ODER EINZELSPORT MACHT KEINEN UNTERSCHIED

Insgesamt 360 Probanden füllten für die Untersuchung einen Fragebogen aus, bei dem ihre sozialen Kompetenzen gemessen wurden und ob sie sportlich aktiv sind – entweder in einer Mannschaft oder in einer Einzelsportart. Beim anschließenden Abgleich mit einer sogenannten Normstichprobe von 4000 Menschen ließen sich jedoch keinerlei signifikante Unterschiede feststellen. Oder kurz: Sportler unterscheiden sich in keiner Weise von Menschen, die keinen Sport treiben - jedenfalls nicht im Hinblick auf ihre Teamfähigkeit.
Der Wirtschaftspsychologe rät Unternehmen daher, bloß keine Bewerber auszuladen, nur weil im Lebenslauf der Hinweis auf irgendeine Mannschaftssportart fehlt, Kanning: "Das kann eine klare Fehlentscheidung sein. Und angesichts der in vielen Branchen insgesamt schrumpfenden Auswahl an Bewerbern sollten Personaler nicht voreilig handeln."

Soziale Kompetenz - ein wichtiger Karrierefaktor

Um es mal ganz deutlich zu sagen: Wer sozial kompetent ist, muss deswegen kein besserer oder durchweg sympathischer Mensch sein. Das ist zwar eine wünschenswerte Entwicklung, in der Regel aber auch ein naiver Wunsch. Denn natürlich sind auch Anführer mafiöser Organisationen, Trickbetrüger oder Diktatoren in höchstem Maß sozialkompetent - anders hätten sie es wohl kaum geschafft, so viel Macht und sozialen Kredit auf sich zu vereinen. Nur führt das im Anschluss dann häufig auch zum Missbrauch der Macht. Aber das ist eine andere Geschichte...
Die Negativbeispiele zeigen aber zugleich: Soziale Kompetenz ist ein wesentlicher Karrierefaktor - egal, in welchem Beruf und in welcher Profession. Die beste Qualifikation, alles Wissen und Können nutzen wenig bis nichts, wenn man andere davon nicht überzeugen oder damit begeistern kann. Beruflicher Erfolg entsteht eben doch erst im Zusammenspiel einzelner Gruppen und individueller Interessen, die es geschickt zusammen zu führen gilt.
Erste Hinweise, ob Sie diese Fähigkeit besitzen, können Ihnen zum Beispiel diese Aussagen liefern:
·         Ich finde leicht neue Freunde - auch im Kollegenkreis.
·         Es fällt mir leicht, die Motive anderer zu verstehen.
·         Ich kann andere gut motivieren und überzeugen.
·         Ich kann andere kritisieren, ohne diese zu kränken oder zu demotivieren.
·         Ich lobe öfter als ich negatives Feedback gebe.
·         Mir fallen Gemeinsamkeiten mehr auf als Trennendes.
·         Ich vertrauen anderen gerne und gebe auch gerne Verantwortung ab.
·         Ich kann mich gut mit Kompromissen abfinden.
·         Ich muss in Diskussionen nicht das letzte Wort haben.
·         Ich kann meine Interessen gut denen des Teams unterordnen.
Je häufiger Sie den obigen Aussagen - ehrlich - zustimmen konnten, desto sozialkompetenter sind Sie wahrscheinlich auch. Allerdings sollten Sie dies über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten und beurteilen. Wer sich nur "mal" mit Kompromissen abfinden kann oder nur manchmal die Motive anderer versteht, besitzt zwar gute Anlagen, aber vielleicht noch keine wirkliche Kompetenz.

Selbsttests: Wie sozialkompetent bin ich?

Haben Sie Lust auf einen kurzen Selbsttest zum Thema? Dann klicken Sie sich doch durch unsere kurzen Fragebögen (mit Auflösung):
·         Sind Sie ein guter Zuhörer?
·         Wie nett sind Sie wirklich?

So beweisen Sie soziale Kompetenz

Reden können ist vielleicht die zentralste Fertigkeit, um soziale Kompetenz zu beweisen. Ob in den Gesprächsphasen des Vorstellungsgesprächs, im Meeting oder beimSmalltalk - wer viel sagt, muss deswegen allerdings noch nicht gut kommunizieren können.
Kommunikationsstärke offenbart sich eben nicht nur in Eloquenz, sondern auch im...

·         Zuhören können
·         Verstehen und Verständnis zeigen
·         Vermitteln und Erklären können
·         Argumentieren und Debattieren
·         Schweigen können
All diese Kompetenzen lassen sich zum Glück lernen und trainieren. Je ausgeprägter sie vorhanden sind, desto souveräner, selbstbewusster und charismatischer wirken diese Menschen. Sie müssen nichts und niemandem mehr etwas beweisen, sondern können sich ganz sachlich auf den anderen einlassen.
So mancher Personaler provoziert sein Gegenüber daher auch schon mal mit kniffligen Fangfragen, um zu sehen, wie der Kandidat reagiert: Bleibt er ruhig und respektvoll? Setzt er sich mit der Frage (und den Argumenten) sachlich auseinander, geht darauf ein - ohne jedoch persönlich zu werden? Letztlich geht es darum, durchaus eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten, womöglich sogar damit zu überzeugen, aber auch genug Toleranz gegenüber Andersdenkenden zu beweisen.
Soziale Kompetenz lässt sich aber auch an einigen anderen Stellen beweisen. Zum Beispiel so:

·         Zuverlässigkeit.

Halten Sie immer, was Sie versprechen und versprechen Sie nie mehr, als Sie halten können. Alles andere führt zu Produktenttäuschung - und schadet Ihrer sozialen Reputation, dem sprichwörtlichen Nachruf.

·         Hilfsbereitschaft.

Güte und Hilfsbereitschaft wirken wie ein Boomerang: Sie sind ein Dokument von Kompetenz und Fürsorge, von Engagement und Empathie, von reichhaltigem Wissen und großem Erfahrungsschatz. Letztlich beweist der Hilfsbereite, dass er eben auch den anderen und dessen Bedürfnisse im Blick behält. Und nebenbei macht Hilfsbereitschaft auch noch gesund.

·         Lernwille.

Lernen Sie von anderen und durch andere. Genialität beweisen Sie nicht, indem Sie vorgeben, alles zu können. Keiner kann das. Nehmen Sie Rat an, lernen Sie aus den Erfahrungen anderer - und geben Sie das Wissen ihrerseits weiter. Damit beweist auch, wer Wissen teilt, indirekt soziale Kompetenz.

·         Geduld.

Als Teil der Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz ist Geduld eine zentrale Kerntugend. Wissenschaftler sind sich heute einig: Neben Intelligenz und Talenten ist das Abwarten könnenein wesentlicher Schlüssel für den beruflichen und Lebenserfolg. Wer spontanen Impulsen widerstehen kann und bei Niederlagen gelassen bleibt, verdient meist mehr, lebt gesünder und ist obendrein glücklicher.

·         Selbstreflexion.

Fachwissen, strategisches Denken, praktische Erfahrungen – daran mangelt es heute kaum einem Berufseinsteiger. Zur Entwicklung, auch der sozialen, ist aber Selbstreflexionunerlässlich. Sozial kompetente Menschen nutzen daher ihre freie Zeit wenigstens ab und an dazu und klären etwa, was gut war, was verbesserungswürdig ist, was sie gelernt haben, welche Fehler sie abgelegt, welche Fähigkeiten sie weiterentwickelt haben und was der nächste Schritt sein muss. Nur wer weiß, wer er ist und was er kann, kann dies auch ins Team einbringen.
Warum aber ist das alles so wichtig?
Natürlich zählen auch weiterhin harte Fakten und Qualifikationen wie etwa eine fundierte Ausbildung, ein Studienabschluss oder nachweisbare berufliche Erfahrungen und Erfolge. Fakt ist aber auch: Unsere heutige, moderne Berufswelt entwickelt sich enorm schnell weiter. Die Halbwertzeit von Fachwissen sinkt dabei mitunter im Monatstakt. Soziale Kompetenz bildet dabei eine wesentliche Konstante, die bei unvermeidbaren Veränderungen das Miteinander bewahrt und so letztlich auch hilft, die Unternehmenskultur und -organisation im Wandel anzupassen und weiter zu entwickeln - ohne allzu große Reibungsverluste.
Wer Sozialkompetenz besitzt, diese pflegt und trainiert, sichert damit nicht zuletzt auch seine eigene Karriereentwicklung.


Quelle: www. http://karrierebibel.de Von Jochen Mai am 11. Mai 2015