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Freitag, 28. April 2017

T.e.a.m. steht für "Toll, ein anderer macht's"


Bei der Ideensuche hirnt es sich gemeinsam besser als einsam. Darum spannen Chefs ihre Mitarbeiter gern zu Teams zusammen - und schon lehnen manche sich entspannt zurück und lassen die Kollegen rackern.


Praktisch keine Stellenanzeige kommt heute ohne die Floskel aus, dass vom Bewerber Teamfähigkeit erwartet wird - die Schlüsselqualifikation schlechthin. Kreativ und kommunikativ sollen Mitarbeiter sein, mit den unterschiedlichsten Kollegen klarkommen, sich mühelos in jede Gruppe einfädeln und in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen.



Kritiker dagegen sprechen von der "Teamlüge" - weil sie individuelle Arbeit für weit fruchtbarer halten und Führungskräften vorwerfen, nur einem modischen Managementideal zu folgen, statt Teamarbeit gezielt und sinnvoll einzusetzen.



Was denn nun? Und für welche Arbeiten braucht man wirklich ein Team?



Sicher nicht für alle. Teams auf Krampf aufzubauen oder weil alle es so machen, schafft Probleme. Das ist kein Selbstzweck und geschieht zu inflationär. Bei vielen Projekten braucht das Unternehmen kein Team; eine Gruppe tut es auch - nämlich ein gut organisiertes Nebeneinander.



Wenn in so einer Gruppe die Zusammenarbeit funktioniert und sie zudem mit klaren Zielen geführt wird, ist das Gold wert. Versucht man aber, ohne Not und echten Nutzen daraus ein Team zu formen, kann es zu Unzufriedenheit kommen. Schnell entsteht der Eindruck, man würde unnötig Zeit verschwenden durch zu viele Absprachen.



Wir neigen zum unbewussten Faulenzen im Team



In manchen Fällen aber braucht es ein Miteinander und Füreinander, um die Arbeitsaufgaben effektiv und effizient zu erledigen. Dann ergibt Teamarbeit sehr viel Sinn und ist der Arbeit des Einzelnen und der Gruppe deutlich überlegen. Allerdings werden vielfach bei Aufbau und Entwicklung von Teams wesentliche psychologische Kenntnisse vernachlässigt - zum Beispiel über unbewusste Faulheit in Teams. Die Wissenschaft kennt das Phänomen als Social Loafing (von to loaf = faulenzen, herumlungern): Wenn in einem Kollektiv nicht deutlich wird, wer welche Leistung bringt und wem die Erfolge zugeordnet werden können, sinkt die Leistung.



Bekannt ist das auch aus der Tierwelt. So entspricht die Leistung zweier Zugtiere, die einer Kutsche vorgespannt werden, nicht der Leistung der beiden Einzeltiere. Im Geschirr bringen beide Tiere auf einmal nur noch einen Teil der möglichen Leistung. So ist es auch bei Menschen, etwa beim Tauziehen: Zieht jeder einzelne zum Beispiel 60 Kilogramm, ziehen zwei gemeinsam nur 110 statt 120 Kilo.



Social Loafing kommt nicht allein bei körperlichen Leistungen vor. Auch geistig faulenzen wir unbewusst in der Gruppe. Je größer das Team, umso schwächer die Leistung des Einzelnen. Dabei handelt es sich meist um kein bewusstes Verhalten: Personen reduzieren ihre Anstrengung, wenn sie glauben, dass ihr Beitrag für ein gutes Ergebnis der Gruppe entbehrlich ist.



Niemand will schuld sein, wenn's schlecht läuft



Andererseits zeigen Menschen, die ihre Fähigkeiten als durchschnittlich einschätzen, kein Social Loafing, egal ob die Aufgabe simpel oder komplex ist. Wer von eigenen überdurchschnittlichen Fähigkeiten überzeugt ist, neigt bei simplen kooperativen Aufgaben zur Faulheit im Team - aber nicht, wenn diese Menschen leistungsmäßig durch eine komplexe Fragestellung gefordert werden.



Nachweislich sind Teams besser, wenn sie aus unterschiedlichen Fachleuten bestehen, deren Leistungen auf die jeweiligen Personen zurückgeführt werden können. Ähnliches gilt auch für Verantwortungsübernahme: Der Einzelne versteckt sich in der Gruppe - niemand will allein schuld an schlechten Ergebnissen sein. Das zu beachten, ist besonders wichtig, wenn man effektive Managementteams aufbaut.



Was also tun, damit Teams funktionieren? Fünf Punkte sind besonders wichtig:

  • Das Gruppenergebnis sollte klar von jedem Einzelnen abhängen.
  • Die Einzigartigkeit jedes einzelnen Beitrages hervorheben.
  • Die Aufgaben so zuschneiden, dass am Ende der Input jedes Einzelnen noch zu erkennen ist.
  • Eine Situation schaffen, in der das Individuum in einer Gruppe besonders hart arbeiten muss, damit die Gruppe erfolgreich ist. Gleichzeitig muss die Wertigkeit des Gruppenergebnisses höher sein als die Einzelleistung.
  • Wettbewerb hilft und wirkt dem Social Loafing entgegen. Besonders eindrucksvoll gelingt dies, wenn das Ergebnis mit einer konkurrierenden Gruppe verglichen wird.

Um unbewusster Faulheit entgegenzuwirken, zählen vor allem zwei Faktoren: Gute Teams haben einen starken Zusammenhalt, eine soziale Identifikation des Einzelnen mit der Gruppe - genau dieses Ziel verfolgen Managementberatungen bei gezielten Teamentwicklungsmaßnahmen. Und: Wenn irgend möglich, setzen sie die Teams mit Mitarbeitern beider Geschlechter zusammen. Arbeiten nämlich Angestellte mit einem Partner des anderen Geschlechts zusammen, den sie für besser halten, steigt ihre Leistung.



Teamarbeit nur in wirklich sinnvollen Fällen, klar erkennbare Einzelbeiträge fordern, die richtigen Mitarbeiter einbinden, für Wettbewerbsmomente sorgen: So sollte es gelingen, ein optimales Team aufzustellen und gute Leistungen zu erzielen. Von "Teamlüge" kann dann keine Rede mehr sein.



Quelle: www.spiegel.de vom 11.09.2012

Donnerstag, 27. April 2017

Wie man eine Bewerbung gründlich vergeigt


Wer zum Alptraum eines Personalers werden möchte, hat viele Möglichkeiten - etwa zum Auftakt schlechte Witze reißen, dann gleich nach dem Gehalt fragen und Sätze sagen wie "Pünktlichkeit ist eine meiner Stärken". Manche Bewerber machen das wirklich.


Dem Horrorbewerber jedes Unternehmens gelingt es ohne Mühe, von Fauxpas zu Fauxpas zu stolpern. Er kommt nicht nur einfach ein Viertelstündchen oder noch mehr zu spät. Er erklärt dann auch noch lang und breit, warum die U-Bahn ausgefallen ist. Weil das den Personaler natürlich brennend interessiert - ein schöner Start in eine perfekt verpfuschte Bewerbung.



Hinter solchen Anfängerfehlern stecken oft Denkfehler. Denn häufig ist es gut gemeint, wenn ein Kandidat den Personaler mit Anekdoten und Ausreden langweilt. Manche Bewerber wollen nur unbedingt alles richtig machen, wenn sie alles falsch machen. Leicht vermasseln können sie sich das Schaulaufen zum Beispiel so:



Bewerbung mit üppigem Lametta



Mit nur scheinbar kreativen Gestaltungsideen können Bewerber jede Menge Energie vergeuden. "Schmücken Sie Ihren Lebenslauf mit Zierlinien. Nehmen Sie das dickste Papier und die edle Ledermappe", so der sarkastische Rat des Bewerbungsberaters Gerhard Winkler aus Berlin, "damit zeigen Sie, dass Sie etwas Besonderes sind." Tatsächlich wirkt so etwas schnell übertrieben: "Der Personaler hat wenig Zeit. Er will harte Fakten. Schnickschnack lenkt nur ab."



Erst nörgeln, dann flotte Sprüche klopfen



Die passenden Small-Talk-Themen zum Einstieg zu finden, ist ein Spiel, das nicht jeder beherrscht. Geraten wird oft, etwas Naheliegendes anzusprechen, zum Beispiel die Eindrücke von der Firma. "Sparen Sie dabei nicht mit Kritik", empfiehlt Winkler Bewerbern, die es sich gleich mit dem Personaler verderben wollen. "Als Erstes beschweren Sie sich, dass sie das Büro nicht gefunden haben, in dem sie sich die Fahrtkosten erstatten lassen können." Danach ist sicher der Kaffee zu kalt. Und zur Krönung sollten Bewerber sofort nach dem Gehalt fragen und daran herummäkeln, ergänzt der Karriereberater Hermann Refisch aus Frankfurt.



Humor kommt doch immer gut an. Und nach einem kleinen Witz oder lockeren Spruch, zum Beispiel aus dem letzten Mario-Barth-Programm, läuft das Gespräch gleich viel entspannter. Garantiert unbeliebt machen sich Bewerber mit einem Scherz auf Kosten anderer Mitarbeiter wie "Was ist das denn für ein Drachen in Ihrem Vorzimmer?", so Winkler. Das toppen sie noch, indem sie sich im Büro des Personalers umsehen und sagen: "Oh, Sie hatten wohl noch keine Zeit, sich richtig einzurichten?"



Knigge ist altmodisch - lieber munter losgefloskelt



Manieren werden generell überschätzt. Darauf warten, dass der Personaler einem anbietet, sich zu setzen? Man will doch Initiative zeigen! Dem Gegenüber ins Wort fallen, an ihm vorbeischauen, sich in einen Sessel lümmeln - das sind ein todsicheres Mittel, um den ersten Eindruck zu versauen. Bei Jugendlichen verbreitet: Kaugummi kauen und mit dem Handy herumspielen.



"Ich bin teamfähig und motiviert", solche Floskeln sind ein Muss für jede schlechte Bewerbung - dann bitte bloß nicht belegen und nie konkreter werden. "So allgemein klingt es ja auch viel schöner", erläutert Winkler den Denkfehler, der hinter solchen Formulierungen steckt. Dass viele mit "abstrakten Begriffen um sich werfen", hat auch sein Fachkollege Hermann Refisch oft beobachtet. Wer es besser machen will, sollte solche Eigenschaften mit konkreten Beispielen belegen: "Ich schreibe also, in was für einem Team ich gearbeitet habe und welche Probleme dabei gemeinsam gelöst wurden." Das spreche für sich.



Mit Banalitäten protzen, eine Schleimspur legen



Fachwissen und Leistungen waren gestern. Fragen nicht Unternehmen heute nach "Soft Skills"? Da wird zum Beispiel Kellnern schnell zum Beleg für Organisationstalent oder Kommunikationstüchtigkeit. "Auch Fremdsprachenkenntnisse lassen sich gar nicht genug aufbauschen", sagt Winkler sarkastisch - vor allem wenn sie für den Job gar nicht nötig sind.



Aber auch andere Selbstverständlichkeiten ("Pünktlichkeit ist eine meiner Stärken") kann man in einer schlechten Bewerbung nicht oft genug betonen. Als Negativbeispiele nennt Winkler Erfahrung im Umgang mit dem Internet und mit Office-Programmen. Dazu passe auch die Beteuerung, "allergrößtes Interesse" am Job zu haben: "Das ist bestimmt genau das, was Sie von anderen abhebt."



Bewerber müssen den Personaler überzeugen, warum sie genau der Richtige für den Job sind. Ein Motto für erfolglose Kandidaten lautet: Schleimen, was das Zeug hält. Garantiert daneben liegen sie mit einem Satz wie "Schon als Kind habe ich in einem Bettchen aus Ihrem Möbelhaus geschlafen und davon geträumt, später hier zu arbeiten", so Winkler.



Sich wegducken, hinten anstellen und bloß nicht drängeln



"Bescheidenheit ist eine Zier", sagt Winkler und beschreibt damit einen häufigen Denkfehler von Bewerbern - allzu tief stapeln und sich in ein schlechtes Licht rücken. "Bloß nicht von den eigenen Leistungen reden, das wirkt bloß arrogant", scherzt Winkler. Stattdessen erläutere der erfolglose Bewerber Personalern die eigenen Schwächen: "Wir sagen gern, was gegen uns spricht. Nicht dass der Personaler auf die Idee kommt, wir könnten uns nicht realistisch einschätzen." Im Ernst heißt das: Viele Bewerber treten zu schüchtern auf - und bringen sich damit um ihre Chancen.



Abwarten und Tee trinken - das ist das Motto nach einer versandten Bewerbung oder einem Vorstellungsgespräch, wenn man seine Chancen auf den Job einfach verstreichen lassen will. "Der vornehme Bewerber hält sich zurück und wartet, bis er aufgerufen wird", erläutert Winkler den Trugschluss. Es sei aber ein Fehler, bloß geduldig zu warten: "Ein bisschen zu nerven gehört zum Bewerbergeschäft."



Quelle: www.spiegel.de von 24.03.2011 von Tobias Schormann, dpa/jol

Mittwoch, 26. April 2017

Bewerbungsgespräch, die 5 typischen Gesprächsphasen

Bewerbungsgespräche sind heikel: Binnen weniger Minuten soll man das Schlauste sagen, was einem jemals über die Lippen gekommen ist, soll vor Inspiration und Engagement nur so sprühen, soll sympathisch und motiviert sein, einen guten ersten Eindruck hinterlassen und obendrein auch noch subtil herausstreichen, warum das die einmalige Chance für das Unternehmen ist, die Bestbesetzung für die offene Position einzustellen. Jetzt, hier und heute. Und das alles unter dem hohen Stress einer typischen Prüfungssituation. Na, haben Sie noch Lust auf das Bewerbungsgespräch?

Keine Bange, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Denn natürlich ist diese Hürde zu meistern – wie rund 40 Millionen Erwerbstätige hierzulande beweisen, die vermutlich alle irgendwann mal durch ein solches Bewerbungsgespräch mussten und es offenbar geschafft haben, sonst hätten sie jetzt kaum ihren Job. Der Trick dabei ist: Reden Sie sich die Nervosität nicht einfach weg – und den Job gleich dazu. Etwa, indem Sie später im Gespräch eine Reihe irrelevanter Informationen aneinander reihen oder sich um Kopf und Kragen reden. Sondern bereiten Sie sich auf das Gespräch mit den folgenden Hilfestellungen gründlich vor und legen Sie sich eine stimmige Geschichte zurecht. Schließlich verlaufen die meisten Bewerbungsgespräche nach einem klassischen Muster – eben 5 typischen Phasen.

Die lassen sich in Teilschritten vorbereiten – und schon sieht diese riesige Mauer nur noch wie ein Stapel aus Bausteinen aus. Also los…

So ein Vorstellungsgespräch dauert in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten. 30 Minuten sind dabei allerdings eher die Unteruntergrenze, also wenn es eher schlecht läuft. Wenn es gut läuft, dauern sie tendenziell länger. Und bei höher qualifizierten und -dotierten Positionen ziehen sich solche Jobinterviews auch schon mal über ein bis zwei Stunden sowie mehrere Auswahlrunden. Schließlich geht es dann um mehr Gehalt und mehr Verantwortung, da wollen und können sich Unternehmen keinen Fehlgriff leisten. Aber gehen wir mal von einem Standard-Bewerbungsgespräch und einem Mittelwert von 45 Minuten aus (was freilich jetzt nur eine Richtgröße darstellt): Dann erwartet Sie bei diesem klassischen Vorstellungsgespräch in etwa dieser Ablauf:

Vorbereitungstipps für die 5 Phasen des Bewerbungsgesprächs

Phase 1: Smalltalk (5 Minuten)

Der Horn-Effekt

Manchmal reicht schon eine einzige Eigenschaft, ein einziges Wort, ein simpler Eindruck, der dem Personaler übel aufstößt – und schon kippt die ganze Bewerbung. Jede Aussage wird dann anders aufgenommen als sie der Kandidat meint. Ein Wahrnehmungsfehler zwar – aber mit verheerender Wirkung. Dabei wirkt eine einzelne negative Eigenschaft eines Menschen so dominant, dass sie alles andere überstrahlt. Typisch etwa: Tippfehler in der Bewerbung. Sie gelten als Indiz für eine schlampige Arbeitsweise. Alles was der Bewerber beim Vorstellungsgespräch sagt (falls er oder sie überhaupt eingeladen wird) steht dann unter dem Generalverdacht, der Kandidat habe noch weitere Defizite. Der Horn-Effekt überstrahlt jetzt alle oder viele andere positive Eigenschaften.

Ob wir jemanden sympathisch finden oder ihm vertrauen entscheidet sich bereits in den ersten Sekunden. Rund 20 Sekunden, um etwas präziser zu sein, so das Ergebnis einer Studie der Universität von Kalifornien in Berkeley. Murray Barrick, Management-Professor an der Texas Universität geht sogar soweit zu sagen: Egal, wie strukturiert ein Bewerbungsgespräch auch abläuft, wie sehr die Personaler betonen, ihre Auswahl auf Fakten und fachliche Eignung zu stützen – entschieden wird bereits in den ersten Minuten, ob der Kandidat den Job bekommt oder nicht. Etwas einfacher drückt es der Volksmund aus: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Diese erste Phase ist also enorm wichtig für Sie und prägend für den weiteren Gesprächsverlauf. Die gute Nachricht: Man weiß heute recht viel darüber, was gut ankommt.

Zu viel Eigenlob etwa turnt Personaler ab. Auch wer später im Vorstellungsgespräch zu lange redet, kassiert Minuspunkte. Das kam zum Bespiel mal bei einer Umfrage der Personalberatung Korn/Ferry International unter 212 Personalern heraus. Luftpumpen, die sich als Gottes Gabe an die Wirtschaft verkaufen, fallen mehrheitlich durch. Gleiches gilt für diejenigen, die bei Gehaltsvorstellungen das Normalmaß um 20 Prozent überziehen. Selbstvertrauen im Vorstellungsgespräch ist zwar wichtig, Personaler ziehen aber Natürlichkeit spürbarer Arroganz vor. Nichts stößt mehr ab als ein eitler Selbstdarsteller. Geben Sie sich also ruhig locker oder gar zu, dass Sie gerade ein bisschen nervös sind. Dafür hat jeder Verständnis.

Das Zweite: Achten Sie auf Ihre Kleidung, die Körpersprache und Mimik, denn wer sagt schon in den ersten zwei Minuten soviel Überzeugendes, dass der Rest total egal wird? Eben. Ihre Kleidung sollte entsprechend gepflegt und der Branche angepasst sein. Bis dato herrscht die Auffassung, dass wer sich schlampig kleidet, vermutlich auch so denkt und arbeitet. Natürlich sollte Ihr Outfit zu Ihnen passen, aber tappen Sie nicht in die Falle, vor allem hierüber Ihre Individualität ausdrücken zu wollen. Letztlich geht es bei einem Vorstellungsgespräch immer um die Frage, ob Sie in das bestehende Team passen, sich also auch zu einem gewissen Grad anpassen können (und wollen). Zudem signalisieren Sie mit einer formal richtig gewählten Kleidung, dass Sie sich auf das Gespräch vorbereitet haben und die Gepflogenheiten Ihres Wunscharbeitgebers kennen.

Der Chamäleon-Effekt

Je ähnlicher uns ein Mensch ist – in Aussehen, Kleidung, Körpersprache, Wortwahl – desto sympathischer finden wir ihn. Derselbe Effekt funktioniert natürlich auch anders herum – und dann zu spontaner Antipathie. In diesem Fall hilft nur noch spiegeln: Ahmen Sie Ihr Gegenüber behutsam (!) nach ohne den anderen nachzuäffen – und versuchen Sie ihm so zu suggerieren, dass sie sich ähnlicher sind, als er oder sie denkt.

Rennen Sie bitte auch nicht mit ausgestreckter Hand auf den Personaler zu, sondern warten Sie ab, bis der Ihnen die Hand reicht – und legen Sie ihm dann bitte keinen toten Fisch in die Handflächen. Ein kurzer, fester Händedruck sollte es schon sein. Dabei halten Sie stets Blickkontakt und stellen sich mit Vor- und Zunamen vor. Bedanken Sie sich für die Einladung, aber setzen Sie sich nach dieser kleinen Zeremonie bitte noch nicht hin. Das dürfen Sie erst, wenn man Ihnen einen Platz zuweist und Sie bittet, sich zu setzen. Falls Sie den Eindruck haben, dass das Eis irgendwie noch nicht gebrochen ist, erzählen Sie ruhig eine amüsante (aber kurze) Anekdote zur Auflockerung.

Klassische körpersprachliche Tabus sind: sich in den Stuhl zu lümmeln, die Arme zu verschränken, hektische Mikrogesten (Fingertrommeln, Nasenkratzen, Haarezupfen), die Beine übereinander schlagen und dabei nervös mit dem oberen wippen, die Arme hinter dem Kopf verschränken, Pseudo-Denkerposen (Daumen und Zeigefinger um Wange und Kinn reiben) sowie zu weites Vorlehnen im Stuhl. All das lässt Sie entweder aggressiv, abwesend, desinteressiert, unsouverän, unfreundlich, reserviert oder manierlos erscheinen.

Stattdessen sollten Sie sich aufrecht (signalisiert Aufrichtigkeit) hinsetzen, leicht vorgelehnt (Engagement und Interesse) und Ihre Sitzhaltung derjenigen des Gesprächspartners anpassen. Profis sprechen in dem Zusammenhang auch vom Spiegeln der Körpersprache Ihres Gegenübers. Mit dieser Technik lassen sich subtil und schnell Vertrauen und Sympathie herstellen. Wichtig aber: Die andere Person nicht nachäffen! Nur behutsam seine Gestik und Sprache der des anderen angleichen.

Falls Sie von zwei oder gar drei Personalern interviewt werden, sollten Sie bei Ihren Antworten alle Teilnehmer nacheinander ansehen und ansprechen (dabei aber bitte nicht dreinschauen, als würden Sie gerade ein Tennismatch verfolgen) und zum Schluss zu jener Person zurückkehren, die die Frage gestellt hat. Und das Wichtigste: immer viel lächeln!

Phase 2: Kennenlernen (15 Minuten)

Nachdem jeder von Ihnen beiden einen ersten Eindruck hat, geht es nun ans Eingemachte: Die anwesenden Personaler oder gar der Chef wollen Sie besser kennenlernen. Gern genutzte Gesprächsöffner hierfür sind Fragen, wie:

Erzählen Sie etwas über sich.
Warum haben Sie sich bei uns beworben?
Warum möchten Sie diesen Job?
Warum sollten wir Sie einstellen?
Was können Sie für uns tun, was andere nicht können?
Sie dürfen davon ausgehen, dass Ihre Gesprächspartner die Bewerbungsunterlagen kennen. Deshalb geht es jetzt nicht darum, Station für Station noch einmal runter zu beten, sondern gleich strukturiert und überzeugend wichtige Qualifikationen für den angestrebten und ausgeschriebenen Job herauszustreichen. Kurz: Zeigen Sie, dass Sie …

a) für die angestrebte Stelle optimal qualifiziert sind.
b) die Stelle für sich als logischen Karriereschritt betrachten.
Gerade der zweite Punkt wird oft vergessen, signalisiert Personalern aber, dass Sie Ihren beruflichen Werdegang analytisch und strategisch planen und daran arbeiten, sich stets weiter zu entwickeln. Und das mögen sie sehr. Es gibt Ihrem Lebenslauf einen roten Faden. Und damit beantworten Sie indirekt zugleich eine weitere Frage des Bewerbungsgesprächs: Dass Sie sich heute, hier bewerben ist eben kein Zufall und auch keine Notlösung, sondern es gehört zu Ihrer Karrierestrategie.

An diesen Teil können sich auch noch Rückfragen der Personaler sowie klassische (Psycho-)Testfragen anschließen. Stellen Sie sich darauf ein, indem Sie sich gute Antworten auf gängige Fragen zurechtlegen und vielleicht schon einmal mit Freunden durchsprechen – insbesondere im Hinblick darauf, wie Ihre Antworten wirken.

Phase 3: Vorstellung (10 Minuten)

Natürlich ist so ein Bewerbungsgespräch kein Verhör. Und Sie sind auch kein Bittsteller, schließlich haben Sie Ihre wertvolle Arbeitskraft, Ihr Know-how, Ihre Kontakte und Erfahrungen anzubieten. Deshalb wird sich Ihnen jetzt auch das Unternehmen etwas vorstellen – insbesondere die Stelle, die es zu besetzen gilt.

Achtung: Schalten Sie jetzt bloß nicht ab, sondern beweisen Sie unbedingt Präsenz! Gemeint ist natürlich Weniger die physische Anwesenheit, sondern vielmehr die geistige. Ist der Kandidat voll konzentriert und engagiert bei der Sache? Hört er aufmerksam zu? Und sind ihm die Basisdaten bekannt?

Tatsächlich erkennt man anhand des Gesprächsverlaufs und der Art der Gesprächsführung sehr schnell, ob sich jemand im Vorfeld gründlich mit dem Unternehmen, seiner Struktur, den Produkten, Märkten und Traditionen auseinander gesetzt hat. Zwar werden Ihnen die Personaler hierzu ein grobes Bild malen. Aber durch entsprechende Anmerkungen (ohne natürlich Ihrem Gegenüber jedes Mal ins Wort zu fallen) können Sie zeigen, dass Sie gut vorbereitet sind – und umso schneller ins Detail gehen. Kandidaten, die hierbei gelangweilt dreinschauen oder lustlos Fragen erbrechen, sind jedem Personaler ein Graus und könnten ebenso gut daheim bleiben.

Phase 4: Rückfragen (10 Minuten)

Klasse. Sie haben sich beide kennengelernt, wissen worum es geht. Es war ein langes und vielleicht auch für Sie anstrengendes Gespräch – und nun stellt Ihnen der Personaler die Frage, ob Sie noch etwas wissen möchten oder noch Fragen haben… Ja, haben Sie! Unbeding!!! Zu dieser Frage sollten Sie auf keinen Fall schweigen oder gar den Kopf schütteln. Schon aus zwei Gründen:

Dies ist Ihre einmalige Chance, noch mehr über das Unternehmen und Ihren vielleicht zukünftigen Job, den Chef, die Anforderungen und die Kollegen zu erfahren.
Dies ist ein Test, der Ihr wahres Interesse an dem Job abklopft, aber auch ob und wie intensiv Sie sich auf das Vorstellungsgespräch und das Unternehmen vorbereitet haben. An der Tiefgründigkeit und Cleverness Ihrer Rückfragen kann selbst ein ungeübter Personaler schnell erkennen, wie sehr sie sich für die Stelle interessieren und ob Sie die Webseiten des Unternehmens aufmerksam studiert haben.
Denn natürlich gibt es dabei auch dumme Rückfragen. Unklug wäre es etwa, Fragen zu stellen, die der Interviewer sowieso nur auf eine Weise beantworten kann: Ist das Betriebsklima gut? Ist mein künftiger Chef nett? Habe ich gute Aufstiegschancen? Nein, haben Sie nicht! Wer solche Fragen stellt, ist offensichtlich naiv, unvorbereitet und katapultiert sich gleich wieder ins Aus.

Aber auch Fragen zu Arbeits- oder Urlaubszeiten, zu Zusatzleistungen, Vergünstigungen oder baldigen Gehaltserhöhungen sollten Sie nicht stellen. Die stellen Ihre Motivation gewaltig in Frage. Ebenso wenig sollten Sie Unsicherheit durchblicken lassen und sich danach erkundigen, ob Sie einen guten Eindruck hinterlassen haben oder wie Ihre Chancen auf den Job stehen.

Deutlich besser wirkt, wer sich während des Vorstellungsgesprächs Notizen macht und anschließend Detailfragen zum Job stellt. Sie können diese sogenannten Bewerberfragen aber auch dazu nutzen, um noch einmal Kernaussagen (über sich) zusammenzufassen: Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie sich von mir … wünschen? Der ideale Mitarbeiter verfügt also über …? Oder Sie betonen am Ende, dass das Gespräch Ihre Motivation erhöht hat, für dieses Unternehmen zu arbeiten: Zu meinen künftigen Aufgaben wird also gehören …? Das würde ich sehr gerne übernehmen! Wie heißt es so schön: Wer (richtig) fragt, der führt.

Phase 5: Abschluss (5 Minuten)

Das Gespräch ist fast zu Ende – und hoffentlich gut gelaufen. Aber auch jetzt bleiben Ihnen noch ein paar Optionen. Klären Sie möglichst alle wichtigen Fristen. Falls es im Bewerbungsgespräch bisher nicht zur Sprach kam, sollten Sie jetzt noch klären, wie es weitergeht, wie lange der Auswahlprozess dauert und wann mit einer Antwort zu rechnen ist. Frühestens zwei Wochen nach dem Jobinterview dürfen Sie sich auch noch einmal telefonisch erkundigen, ob es schon eine Entscheidung gibt.

Mancher Ausleseprozess dauert allerdings etwas länger. Das kann an der internen Bürokratie liegen oder daran, dass ein Entscheidungsträger krank ist. In diesem Fall: Bitte nicht allzu forsch auftreten oder gar nerven. Mit Verständnis und Freundlichkeit kommt man hier meist schneller zum Ziel.

Was Sie stattdessen tun können: Schicken Sie ein Dankschreiben! In Deutschland ist das zwar noch die Ausnahme, umso mehr hebt Sie ein solcher Brief oder auch eine E-Mail aber von der Masse ab und bietet die Chance, Schiefgelaufenes gerade zu rücken. Betonen Sie darin, dass Sie das Gespräch positiv fanden und es Ihren Wunsch verstärkt hat, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Wiederholen Sie maximal zwei Erkenntnisse des Jobinterviews und beantworten Sie offen gebliebene Fragen. Danken Sie für die Zeit und Aufmerksamkeit (falls Sie gemeinsam Essen waren auch dafür), und freuen Sie sich auf eine baldige Antwort. Das alles sollte nicht länger als eine halbe Seite sein.

Und selbst wenn das Bewerbungsgespräch bei Ihrem absoluten Wunscharbeitgeber stattfand: Hören Sie sich weiter um! Alles auf eine Karte zu setzen, wäre töricht. Auch nach einem (aus Ihrer Sicht) erfolgreichen Vorstellungsgespräch, sollten Sie weiterhin Einladungen zu Jobinterviews wahrnehmen und sich weiter bewerben. Erstens, weil Sie so die Initiative behalten und zweitens, weil Sie Ihre Chancen auf einen Job erhöhen.

Manchmal schicken Unternehmen nicht einmal eine Absage. In diesem Fall sollten Sie nachhaken, Motto: „Ich bin noch immer an der Position interessiert, wann kann ich mit Ihrer Entscheidung rechnen? Ich spreche allerdings auch mit anderen interessierten Unternehmen und muss mich hier ebenfalls bald entscheiden.“ All das verbessert Ihre Marktposition.

Quelle: www.karrierebibel.de von Jochen Mai am 15. Dezember 2012

Dienstag, 25. April 2017

Wann wird aus einem „Nein“ Arbeitsverweigerung?

Die Nachricht vom Chef bei Whatsapp ignorieren? Projekte aufgrund eines Interessenkonflikts ablehnen? „Nein“ zur unbezahlten Mehr-Arbeit sagen? Darf ich das – oder ist das dann schon Arbeitsverweigerung? Und was droht mir dann?

Zuallererst wichtig: Was ist „Arbeitsverweigerung“ eigentlich genau?

„Arbeitsverweigerung ist die bewusste und gewollte Nichtleistung der arbeitsvertraglich geschuldeten Tätigkeit. Ihr Chef darf also erwarten, dass sie sich an die Vereinbarungen halten – Sie erwarten von ihrem Chef ja auch eine pünktliche, vollständige Überweisung Ihres Gehalts. Auf eine unrechtmäßige Arbeitsverweigerung kann der Arbeitgeber deswegen mit Gehaltskürzung reagieren – und auch mit einer Abmahnung. Im Wiederholungsfalle oder bei beharrlicher Arbeitsverweigerung kommt auch eine Kündigung in Betracht.“
Aber: Verweigern Sie zu Recht die Arbeit – etwa, weil die Aufträge rechtswidrig oder gesundheitsschädlich sind oder Sie diese mit Ihrem Gewissen oder Ihrer Religion nicht vereinbaren können, sind die o.g. Sanktionen nicht zulässig.
„Auch wenn der Arbeitgeber Ihnen degradierende Aufgaben zuweist (,Hof kehren') oder höherwertige Aufgaben, für die er mehr Geld zahlen müsste, müssen Sie diese nicht übernehmen.“

1. Ich bleibe daheim, obwohl ich mich nur ein bisschen kränklich fühle. Ist das schon Arbeitsverweigerung?

„Normalerweise darf man nur zuhause bleiben, wenn man arbeitsunfähig ist oder – wenn man erst am vierten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen muss – wenn man sich arbeitsunfähig fühlt. Wer bewusst zuhause bleibt, obwohl er durchaus arbeiten könnte, verweigert seine Arbeit. Allerdings kann die Krankheit ja noch im Anflug sein... Im Zweifel muss der Arbeitnehmer aber nachweisen, dass er zu Recht der Arbeit ferngeblieben ist, sonst setzt er seine Gehaltszahlung für diese Tage aufs Spiel!“
2. Mein Chef möchte, dass ich zusätzlich zu meiner täglichen Arbeit die Aufgabe eines Kollegen erledige. Muss ich das?

„Wenn die Weisung ihres Chefs nicht mehr von Ihren vertraglichen Vereinbarungen gedeckt ist, also z.B. höherwertige oder geringerwertige Aufgaben übernommen werden sollen, ist ein ,Nein' erlaubt. Wenn der Kollege aber einen gleichwertigen Job macht, müssen Sie auch mal kollegialerweise aushelfen, z.B. bei Urlaub, Krankheit oder Überlastung des Kollegen.“

Wie kann ich der Zusatz-Arbeit dennoch entgehen?

„Hier empfiehlt es sich, dem Chef die Folgen aufzuzeigen: ,Wenn ich diese Zusatzaufgabe übernehme, bleibt von meinem aktuellen Projekt ein Teil liegen. Ist das in Ordnung?' Dann kennt er die Konsequenz, und dann kann er entscheiden.
Bedenken Sie: Ihr Arbeitstag darf im Halbjahrs-Schnitt nur maximal acht Stunden lang sein. Und alles, was längere Arbeit verlangt, darf liegenblieben.
Und ein solches Signal kann hilfreich sein: Denn erst, wenn Dinge nicht mehr klappen, wird Personal aufgestockt.“

3. Mein Chef schreibt mich im Feierabend bei Whatsapp an – ich reagiere nicht. Ist das schon Arbeitsverweigerung?

Nein. Dienst ist Dienst und Feierabend ist Feierabend. Der Chef gehört nicht mehr ins Programm. Und Whatsapp gehört – anders als Ihr dienstliches E-Mailfach – nicht zu den Postfächern, die Sie arbeitsvertraglich beachten müssen.“

4. Der Chef verlangt, dass ich die Arbeit meines Kollegen ändere und weiterführe. Ich will aber kein Kollegenschwein sein und ihm sein Projekt wegnehmen. Darf ich „Nein“ sagen?

„Der Chef darf jemandem einzelne Arbeiten wegnehmen und einem anderen zuteilen, wenn er dabei im Rahmen des Direktionsrechts bleibt und die Maßnahme nicht willkürlich ist. Kollegiale Rücksichtnahme muss bei zulässigen Anweisungen zurücktreten. Aber wenn er keinen sachlichen Grund für die Anweisung hat, den Kollegen kaltstellt und Ihnen damit einen zweiten Job aufs Auge drückt, ist die Grenze des Direktionsrechts sicher überschritten.“

 Der Kollege ist eingearbeitet, kennt die Vorgänge und hat den direkten Kontakt zum Kunden – deshalb kann er das Projekt zeitnah zu Ende führen.' Als Kontrast schildern Sie Ihre Situation: 'Ich müsste meine laufenden Projekte unterbrechen, das würde zu Verzögerungen führen. Und ich müsste mich komplett einarbeiten'. Auf dieser Basis kann der Chef dann entscheiden – und er wird es meist in Ihrem Sinne tun.“

5. Mein Chef will, dass ich in Meetings gehe und mehr Verantwortung übernehme. Das steht so aber nicht in meinem Arbeitsvertrag. Darf ich „Nein“ sagen?

„Im Arbeitsvertrag steht meistens nicht genau drin, was man alles für Aufgaben und Pflichten hat. Jeder Job verändert sich ja auch nach vielen Jahren. Deshalb hat der Gesetzgeber geregelt, dass der Chef auch den Arbeitsinhalt näher bestimmen darf – unter Berücksichtigung der betrieblichen Interessen UND der Interessen des Arbeitnehmers. Die Teilnahme an Meetings gehört zu den meisten Jobs dazu, selbst wenn es nicht ausdrücklich im Vertrag steht. Ob mehr Verantwortung einseitig verlangt werden darf, hängt davon ab, ob das Mehr an Verantwortung schon eine höhere Vergütung rechtfertigt (dann nur im Einvernehmen) oder sich noch im vereinbarten Tätigkeitsrahmen bewegt (dann geht es auch per Weisungsrecht). Den Job des Vorgesetzten muss man für das Gehalt des Untergebenen nicht erledigen!“

Ich will für die Mehr-Verantwortung auch mehr Gehalt – wie sag ich's?

„Verpacken Sie es positiv, etwa: ,Es freut mich, dass Sie mir mehr Verantwortung zutrauen und mich jetzt in die wichtigen Entscheidungsmeetings schicken. Lassen Sie uns dafür eine vertragliche Grundlage suchen, das fühlt sich für beide Seiten besser an'. So fädeln Sie eine Aufwertung Ihrer Position und natürlich auch Ihres Gehaltes ein. Dieser Weg ist deutlich geschickter, als wenn Sie ihm ein Stoppschild vor die Nase zu halten.“

6. Der Vorgesetzte übergibt mir ein Projekt, das mich in einen Interessenkonflikt stürzt. Kann ich es ablehnen?

„Ein tiefer Interessenkonflikt reicht nicht aus, um das Projekt legitim abzulehnen. Allerdings können Grundrechte wie die Glaubensfreiheit oder Schutz von Ehe und Familie unter Umständen dazu führen, dass man Arbeit ablehnen kann. Der Vorgesetzte darf nur Arbeiten übertragen, die einen Arbeitnehmer nicht in einen vermeidbaren Gewissenskonflikt bringen oder dessen Pflicht zur elterlichen Sorge beeinträchtigen – es sei denn, es gibt keine Alternative.“

7. Der Kollege macht seine Arbeit nicht, seine Ausrede: Blackout. Ist das Arbeitsverweigerung?
„Wenn der Kollege wirklich einen Blackout hatte, liegt keine gewollte Arbeitsverweigerung vor. Ist der Blackout vorgetäuscht, droht allerdings eine Abmahnung!“

8. Die Kollegin muss regelmäßig früher gehen, um ihr Kind von der Kita abzuholen und lehnt aufwendige Projekte daher von vornherein ab. Darf sie das?

„Dienst ist Dienst – der Chef muss keine Rücksicht auf das Privatleben nehmen. In unvermeidbaren Ausnahmefällen kann man früher den Arbeitsplatz verlassen, aber nicht regelmäßig einmal die Woche. Vielmehr muss dann jemand anderes das Kind abholen, ggf. eine Tagesmutter. Wenn es die Arbeit nicht beeinträchtigt und der Betriebsfrieden nicht gefährdet wird, wird ein Chef aber sicher mit sich reden lassen.“

Aber auch, wenn der Chef mitspielt, gibt es Regeln zu beachten.

„Falls vereinbart ist, dass Sie früher gehen dürfen, sollten Sie dieses Recht immer in Anspruch nehmen. Sobald Sie beginnen, ausnahmsweise länger zu bleiben, wird eine Regel daraus abgeleitet. Das ist eine der wichtigsten Regeln beim Nein-Sagen: Lassen Sie sich nicht weichklopfen – stehen Sie zu sich, ihrem Wort und ihren Wünschen.“