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Mittwoch, 12. April 2017

Der Wettlauf der Frösche

Eines Tages entschieden die Frösche des großen Teichs ein Wettrennen zu veranstalten. Als Ziel legten sie den höchsten Punkt eines großen Turms fest.

Am dem entscheidenden Tag versammelten sich einige wenige Sportler, die den Versuch wagten und viele schaulustige Frösche um zuzusehen.

Und los geht’s! Eigentlich glaubte keiner der zuschauenden Frösche, dass auch nur ein einziger Teilnehmer tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie deshalb "Oje, sie werden es nie schaffen!" Oder "das ist einfach unmöglich!" Und auch "das schafft ihr nie!"

Wie es schien sollte das Publikum Recht behalten. Nach und nach gaben immer mehr teilnehmende Frösche auf. Das Publikum fühlte sich bestärkt und schrie weiter: "Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!"

Tatsächlich gaben bald alle Frösche auf: Alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen den steilen Turm hinaufkletterte - und der als einziger das Ziel erreichte.

Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von dem Gewinner wissen, wie er das schaffen konnte. Doch keiner bekam eine Antwort und so merkten sie erst, dass dieser Frosch taub war!

Was Sie glauben oder auch nicht, bestimmt zum Beispiel der Pygmalion Effekt.

Der Pygmalion Effekt

Pygmalion war in der griechischen Mythologie ein König, der auf Zypern lebte und dieses regierte. Als begnadeter Künstler schuf er eine Statue aus reinem Elfenbein. Diese stellte nicht irgendein Mädchen dar, sondern die Frau seiner Träume.

Der Künstler verliebte sich so sehr in seine Traumfrau, das leider nur ein lebloses Werk war, dass sich Aphrodite seiner erbarmte und die elfenbeinerne Jungfrau zum Leben erweckte.

Dieser Effekt, wie das Glaubenssystem auf die Ergbnisse einwirkt, ist gut untersucht. Unter anderen gilt die Studie des amerikanischen Psychologen Rosenthal als wegweisend:

Für ein Lernexperiment mit Ratten unterzog Rosenthal zwölf Psychologie-Studenten und 60 Albino Ratten einem Versuch.

Die Versuchstiere sollten lernen, in einem einfachen Labyrinth den richtigen Weg zur Futterstelle zu wählen. Robert Rosenthal erläuterte seinen studentischen Versuchsleitern, dass die Hälfte der Versuchstiere aufgrund von Zuchtwahl besonders lernfähig, die andere Hälfte besonders "dumm" sei. Die Ratten wurden den Versuchsleitern streng nach dem Zufall zugeteilt. Sechs Versuchsleiter waren jedoch im Glauben, dass ihre Tiere zum Stamm der "klugen" Ratten gehörten, die anderen sechs, dass sie mit "dummen" Ratten experimentieren würden.

Jeder Versuchsleiter hatte die Aufgabe, mit einer Gruppe von fünf Ratten an fünf Tagen je zehn "Trainingsläufe" im Labyrinth durchzuführen und zu notieren, ob die Tiere den richtigen Ausgang wählten.

Was glauben Sie, wer gewonnen hat? Ja, genau: Die klugen Ratten! Warum? Bei der Befragung der Studenten nach dem Experiment ergab sich, dass die Versuchsleiter mit vermeintlich "klugen" Ratten ihre Versuchstiere wesentlich positiver beurteilten und diese Tiere dementsprechend viel aufmerksamer und liebevoller behandelten, als die Versuchsleiter mit vermeintlich "dummen" Ratten.

Wirkt auch bei Menschen

Noch wesentlich wirksamer als im Tierexperiment wirkt der "Rosenthal-Effekt" oder "Pygmalion-Effekt" bei menschlichen "Versuchsobjekten". Rosenthal unterzog zu Beginn eines Schuljahres alle Kinder der 18 Klassen einer Schule einigen psychologischen Tests, darunter auch einem Leistungstest. Danach gab er den Lehrern die Namen einzelner Schüler (insgesamt 20% der getesteten Schüler), die dem Testergebnis zufolge eine "ungewöhnlich gute schulische Entwicklung" nehmen würden. Doch die Namen der "Hochbegabten" waren keineswegs diejenigen der Schüler, die durch besonders positive Tests herausragten sondern wurden wiederum streng nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

In den höheren Schulklassen hatte die Erwartung Lehrer nur einen geringen Einfluss auf die Leistung der Schüler. Doch in den unteren Klassen war der Effekt dramatisch: Am Ende des Schuljahres hatten die vermeintlich "Hochbegabten" nach dem Ergebnis eines Schulleistungstests einen großen Vorsprung gegenüber den anderen Schülern.

Quelle: Legewies & Ehlers 1992, 10f und Stangl

Quelle 2: http://management-coaching.org/toolbox/merkwuerdiges/wettlauf-der-froesche