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Dienstag, 4. April 2017

Sieben Fragen zur Schwarzarbeit

  • Brüder melden sich krank, um Eltern in deren Wäscherei zu vertreten
  • Chefsekretärin startet Zweitkarriere mit „mobilem Hundesalon“
  • „Burn out“- Banker hat Zweitjob als Vermögensberater
  • Schichtführer ist nebenbei Landschaftsbauer


Was genau ist Schwarzarbeit?

Schwarzarbeit liegt immer dann vor, wenn Lohnzahlungen nicht versteuert und keine Sozialabgaben geleistet werden. Heißt: Ein Nebenjob, z.B. eine korrekt angemeldete freie Mitarbeit, ist KEINE Schwarzarbeit.

Wer arbeitet besonders oft „schwarz“?
Von den circa acht Millionen Menschen, die in Deutschland schwarz gearbeitet haben, sind die meisten fest angestellt. Sie wollen durch Schwarzarbeit in ihrer Freizeit ihr Einkommen aufbessern. „Das betrifft prinzipiell alle Berufsgruppen“. „Besonders häufig ist Schwarzarbeit jedoch am Bau, im Gaststätten- und Hotelgewerbe und in der Landwirtschaft.“ In besonders betroffenen Branchen bestehen deshalb auch Tarifverträge, die Schwarzarbeitsverbote enthalten.

Welche Nachteile hat der Staat durch Schwarzarbeit?

Schwarzarbeit kostet den Staat jährlich mehrere Hundert Millionen Euro. Allein im Jahr 2014 hat der Zoll Schäden in Höhe von knapp 800 Millionen Euro für Fiskus und Sozialkassen aufgedeckt. Die Dunkelziffer wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. 2015 – im ersten Jahr nach Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro – machte Schwarzarbeit rund 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, so das Ergebnis einer Studie des IAW in Zusammenarbeit mit der Universität Linz.

Sind bezahlte „Freundschaftsdienste“ schon Schwarzarbeit?

Nein. Gefälligkeiten unter Freunden, gegenseitige Hilfe in der Familie oder Nachbarschaft gelten nicht als Schwarzarbeit, auch dann nicht, wenn der Helfer ein geringes Entgelt dafür erhält.
Wenn also ein Maler einer Nachbarin beim Umzug ein Zimmer streicht oder ein Kfz-Mechaniker für einen Freund gelegentlich den Ölwechsel macht, ist das völlig unproblematisch. Allerdings sind die Grenzen zwischen Hilfeleistungen und Schwarzarbeit häufig fließend!
„Stichhaltige Kriterien zur Abgrenzung sind eine klare Gewinnabsicht, die Höhe der Bezahlung sowie Umfang und Häufigkeit der ausgeübten Tätigkeit.“ Heißt: Regelmäßige Renovierungsarbeiten oder aufwändige Autoreparaturen ohne Rechnung würden demnach den Tatbestand der Schwarzarbeit erfüllen.

Kann Schwarzarbeit meine Existenz gefährden?

Ja, es kann Sie den Job, Geld und sogar ihre Freiheit kosten! Arbeiten Angestellte nebenbei schwarz auf eigene Rechnung, riskieren sie eine Abmahnung, wenn ihr Arbeitgeber das herausfindet. Unter Umständen können Beschäftigte sogar fristlos gekündigt werden, etwa, wenn Mitarbeiter sich bei ihrem Arbeitgeber krankmelden und dann in dieser Zeit woanders arbeiten. Schwarzarbeit im Urlaub kann den Arbeitgeber übrigens zur Rückforderung des Urlaubsentgelts berechtigen!
Wird ein illegales Beschäftigungsverhältnis durch die Ermittlungsbehörden aufgedeckt, folgt ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung und es drohen Nachzahlungen und hohe Bußgelder.

„Die Sozialversicherungsträger können die vorenthaltenen Sozialabgaben für insgesamt vier Jahre nachfordern. Im schlimmsten Fall drohen sogar Freiheitsstrafen“. „All dies zusammen kann schnell existenzgefährdende Ausmaße annehmen und aufgrund einer Vorstrafe auch die gesamte berufliche und geschäftliche Zukunft verbauen.“

Was, wenn bei der Schwarzarbeit gepfuscht wird?

Pech! Schwarzarbeit birgt für beide Seiten grundsätzlich ein erhebliches finanzielles Risiko: Da ein Schwarzarbeitsvertrag gegen das Gesetz verstößt, ist er unwirksam. Infolgedessen kann keine der Parteien daraus einen Rechtsanspruch ableiten: Weder kann ein Schwarzarbeiter einen Lohnanspruch geltend machen, noch hat der Auftraggeber einen Gewährleistungsanspruch, wenn die geleistete Arbeit mangelhaft war.

Darf ich mir neben Hartz IV etwas dazuverdienen?

„wer Sozialgeld oder Arbeitslosengeld II bekommt, muss alle Einkünfte dem Sozialamt melden. Zwar gibt es einen Grundfreibetrag, der nicht angerechnet wird, und es wird auch nicht alles angerechnet, was nebenher verdient wird – aber auch das ist meldungspflichtig. Jeder noch so kleine Nebenverdienst muss vor Antritt der Arbeit oder spätestens am ersten Arbeitstag angezeigt werden, sonst droht ein Bußgeld.“