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Mittwoch, 17. Mai 2017

Zwei offene Bewerbungen

Welche Stelle soll man wählen? Da hilft nur sorgfältiges Abwägen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Wie soll man sich entscheiden: Den ersten Vertrag unterschreiben oder doch lieber noch auf den Traumjob warten? Hier einige Tipps.

„Ich arbeite als Lagerarbeiter bei einem Industrieunternehmen. Da ich keine internen Perspektiven sehe, habe ich mich extern auf Positionen mit erster Führungsverantwortung beworben. Jetzt liegt mir ein konkretes Angebot von einem Unternehmen vor als Lagerleiter, ich warte aber noch auf die Rückmeldung von einem anderen Unternehmen, bei dem ich bereits zwei Vorstellungsgespräche hatte. Diese Position finde ich sowohl aus inhaltlichen wie auch aus finanziellen Gründen eigentlich interessanter. Was kann ich tun?“

Sie stecken in einer Situation, in die vom Auszubildenden bis zum Top-Manager jeder kommen kann. Theoretisch haben Sie nicht weniger als vier Möglichkeiten, damit umzugehen.

Erstens: Sie unterzeichnen das Angebot und kündigen wieder, sobald Unternehmen Nummer zwei Ihnen ein Angebot macht. Allerdings gibt es Arbeitsverträge, die eine Kündigung vor Dienstantritt ausschließen, und  auch wenn man aus einem Arbeitsvertrag in der Probezeit kurzfristig wieder herauskommt, sollten Bewerber Verträge genauso ernst nehmen, wie sie das vom Arbeitgeber erwarten. Stellen Sie sich einmal vor, Unternehmen würden so handeln und sich nach Vertragsabschluss weiter nach besser geeigneten Bewerbern umschauen.

Die zweite Möglichkeit: Sie nutzen die Bedenkzeit aktiv, kontaktieren Unternehmen Nummer zwei, fragen nach dem Stand der Dinge und wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Betonen Sie dabei, dass ein Angebot von Unternehmen Nummer zwei für Sie aus inhaltlichen Gründen Priorität habe. Wenn man Ihnen kurzfristig ein Angebot macht, können Sie dieses prüfen und – wenn es passt – unterschreiben. Wenn Unternehmen Nummer zwei kurzfristig kein Angebot machen kann oder möchte, entscheiden Sie nach Ihrer persönlichen Risikoveranlagung: Mit der Unterschrift bei Unternehmen Nummer eins sind Sie auf der sicheren Seite, mit der Absage weiterhin bei Unternehmen Nummer zwei im Rennen, allerdings ohne Ihre tatsächlichen Chancen zu kennen.

Die dritte Variante wäre: Sie unterzeichnen das Angebot von der ersten Firma und sagen sofort bei Unternehmen Nummer zwei ab. Und dann beschäftigen Sie sich auch nicht mehr mit der Frage, was aus der Geschichte hätte werden können.

Oder viertens: Sie nutzen die Bedenkzeit nicht und versuchen, Unternehmen Nummer eins hinzuhalten. Das weckt jedoch irgendwann Zweifel an Ihrer ernsthaften Motivation für diese Position. Denn selbst wenn Sie doch noch zusagen würden, stünde Ihr Start nicht mehr unter den allerbesten Vorzeichen.

Wie Sie sehen, empfehle ich von den vier Möglichkeiten nur zwei ernsthaft. Die Entscheidung mag schwerfallen, muss aber getroffen werden. Damit ist diese Situation auch ein Test Ihrer Entscheidungsfähigkeit, die von Ihnen als zukünftige Führungskraft erwartet wird.

Quelle: www.berliner-zeitung.de/karriere vom 21.08.2012 von Michael Stephan